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Shanghai-Hamburg College

Eine Reise in die Zukunft

Im Jahr 2009 gründete die HAW Hamburg zusammen mit der University of Shanghai for Science and Technology (USST) das Shanghai-Hamburg College. Hier studieren rund 500 junge Menschen in den drei Bachelor-Studiengängen Elektrotechnik, Maschinenbau sowie Internationale Wirtschaft und Außenhandel zweisprachig – auf Chinesisch und Deutsch. 30 Studierende unserer Hochschule verbrachten letzten Sommer erstmals zwei Wochen in China im Rahmen der Shanghai-Summer-School. Neben Vorlesungen an der USST umfasste das Programm Unternehmensbesuche, kulturelle Aktivitäten und Exkursionen in die Umgebung. Wir haben mit dreien von ihnen über ihre Erlebnisse gesprochen.

Die Skyline von Shanghai© HAW Hamburg / Maitili Reddy

Die Uferpromenade in Shanghai - genannt "the Bund", ist ein beliebtes Ziel für Nachtschwärmer

Maitili, als ihr in Shanghai angekommen seid – was ist dir als erstes aufgefallen? 

Maitili: Das Erste, was mir in Shanghai aufgefallen ist, war die enorme Modernität der Stadt. Schon am ersten Abend sind wir ins Stadtzentrum gefahren und waren sofort beeindruckt von den vielen Lichtern, den riesigen Gebäuden und der allgegenwärtigen Technologie. Auch die Fahrten mit dem Taxi waren ein Erlebnis: Viele der Autos waren E-Autos und deutlich moderner als das, was man aus Deutschland kennt. In manchen Taxis konnte man Videos anschauen oder sogar Essen bestellen, was uns sehr fasziniert hat. Ein besonders eindrucksvoller Moment war unser Besuch am Bund, das ist eine bekannte Uferpromenade. Es war abends, die ganze Stadt war beleuchtet, und die Skyline mit den Wolkenkratzern wirkte fast surreal. Wir waren in einer Rooftopbar und hatten einen weiten Blick über die Stadt, was diesen Moment ganz besonders gemacht hat. Mein Lieblingsviertel war Xintiandi 新天地. Es hat mich ein bisschen an eine moderne Version der Sternschanze erinnert. Dort waren viele stylische Menschen unterwegs, mit ganz unterschiedlichen und individuellen Looks. Viele Marken und Styles kannte man aus Deutschland so gar nicht. Abends waren wir dort oft unterwegs und sind von Bar zu Bar gezogen. Insgesamt hat sich Shanghai für mich wie eine Reise in die Zukunft angefühlt. Eine sehr moderne, saubere und beeindruckende Metropole, die bei uns allen einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat.

Wie habt ihr sprachliche Barrieren gemeistert?

Maitili: Mit der Sprache hatte ich persönlich zum Glück wenig Schwierigkeiten, da ich Mandarin spreche. Oft waren die Einheimischen überrascht und begeistert, wenn ich angefangen habe, Chinesisch zu sprechen. Viele Menschen waren neugierig, was wir in Shanghai machen, und haben sich darüber gefreut, dass wir dort waren.
Auch für die anderen Studierenden war die Kommunikation mit den Einheimischen immer ein Erlebnis. Oft wurde mit Händen und Füßen gesprochen, viel gelacht und improvisiert. Trotz der Sprachbarrieren hat das meistens überraschend gut funktioniert und war oft ziemlich unterhaltsam. Google Translate war dabei unser ständiger Begleiter, besonders beim Lesen von Speisekarten oder beim Orientieren in der Stadt. So wurde selbst die Verständigung ohne gemeinsame Sprache zu einem positiven und verbindenden Teil des Aufenthalts.
 

Oft wurde mit Händen und Füßen gesprochen, viel gelacht und improvisiert. Trotz der Sprachbarrieren hat das meistens überraschend gut funktioniert und war oft ziemlich unterhaltsam.

Maitili

Ein Moment, der mir besonders in Erinnerung geblieben ist, war die Frau in der Mensa, die Dumplings gemacht hat. Wir waren eine Gruppe von etwa 15 Personen und haben fast jeden Tag bei ihr Jiaozi 饺子 gegessen. Mit der Zeit kannte sie uns schon, und ich habe immer auf Mandarin für die ganze Gruppe bestellt. Über die zwei Wochen, in denen wir da waren, habe ich versucht, den anderen Studierenden ein paar chinesische Wörter beizubringen. Am letzten Tag konnten wir sie dann mit einer Bestellung auf Chinesisch überraschen – ein kleiner Moment, der viel Freude auf beiden Seiten ausgelöst hat.

Emily, welche kulturellen Unterschiede sind dir ins Auge gefallen?

Emily: Gleich zu Beginn fiel mir auf, wie unterschiedlich wir westlichen Menschen chinesische Gerichte – etwa in Deutschland – wahrnehmen und wie sehr sich diese Vorstellung von der Realität unterscheidet. Die Reise nach Shanghai hat den kulinarischen Horizont vieler Studierender sicherlich erweitert. Einen großen Unterschied, auf den uns die Organisatoren der Summer School in Shanghai bereits vor der Reise hingewiesen hatten, sind die Tischmanieren. In China gilt es als Zeichen der Wertschätzung, wenn man beim Essen schlürft, schmatzt oder teilweise sogar rülpst. Meistens verwendet man nur Stäbchen und Suppenlöffel als Besteck. Es lohnt sich also, schon vor der Reise zu üben, mit Stäbchen zu essen, falls man darin noch ungeübt ist.
Alle Studierenden der Summer School wohnten auf dem Campus der USST Shanghai, und dort aßen wir jeden Tag mindestens einmal in der vierstöckigen Mensa. Besonders auffällig war für mich, dass chinesische Studierende weniger miteinander kommunizieren und ihre Mahlzeiten häufig als Bildschirmzeit nutzen. Vergleicht man das mit den Mensen in Hamburg, finden hier an fast jedem Tisch Gespräche statt, oft auch in größeren Gruppen. Ein möglicher Grund hierfür könnte sein, dass die meisten chinesischen Studierenden auf dem Campus leben und strengere Zeitpläne haben als deutsche Studierende. Vermutlich nutzen sie die Zeit in der Mensa, um etwas Unterhaltung in ihren Alltag einzubauen.
Ein weiterer Unterschied zeigte sich beim Frühstück. In der Mensa gab es jeden Morgen überwiegend frittierte kleine Gerichte, die man sich ähnlich wie Tapas zusammenstellen konnte. Für mich persönlich war auch dies überraschend.

Emily, Du hast bereits das Essen in der Mensa angesprochen. Welche kulinarischen Highlights gab es außerhalb des Campus?

Die chinesische Küche unterscheidet sich stark von der deutschen, und in einer Metropole wie Shanghai ist das kulinarische Angebot unvergleichlich. Während unseres Aufenthalts konnten wir nicht alles von unserer kulinarischen To-do-Liste abhaken, die wichtigsten Nationalgerichte haben wir uns aber natürlich nicht entgehen lassen. Wir probierten uns durch verschiedene (und vor allem scharfe) Suppen, Pekingente und andere Fleischgerichte, Jiaozi (auch bekannt als Dumplings) sowie unterschiedliche Wok-Gerichte.
Mein kulinarisches Highlight erlebten wir an einem Abend in einem Hot-Pot-Restaurant. Hot Pot funktioniert ähnlich wie Fondue: Rohe Zutaten wie dünn geschnittenes Fleisch, Gemüse, Pilze und Meeresfrüchte gart man direkt am Tisch in einem Topf mit siedender Brühe. Wir bekamen einen eigenen kleinen Raum, in dem wir in geselliger Runde die Speisekarte ausprobierten. Sogar eine kleine Showeinlage gab es, bei der der Koch handgezogene Nudeln zubereitete, die uns wortwörtlich um die Ohren flogen.
In China findet man viele Delikatessen, zum Beispiel Hühnerfüße, die auf unterschiedliche Weise zubereitet werden. Obwohl ich sonst beim Essen nicht besonders wählerisch bin, konnte ich mich leider nicht dazu durchringen, diese Spezialität zu probieren. Natürlich gibt es in Shanghai auch teure Restaurants, insgesamt fiel mir jedoch auf, dass man im Vergleich zu westlichen Metropolen sehr günstig essen gehen kann.

Leni, China hat sich in den letzten Jahren rasant zu einer globalen Technologiemacht entwickelt. Super-Apps vereinen zahlreiche Dienste unter einem Dach. Wie wirkt sich die Digitalisierung auf den Alltag dort aus? Was ist in China anders als in Deutschland?

Ein Leben ohne Handy ist in Shanghai beziehungsweise China heutzutage praktisch nicht möglich. Bargeld ist so gut wie ausgestorben und mit einer einfachen Kreditkarte allein kommt man auch nicht weit. Vor allem die Apps Alipay und WeChat haben unseren Alltag während der Summer School stark geprägt. Statt einer Masse an verschiedenen Apps, sind viele Funktionen in einer App vereint, wodurch der Überblick leichter fällt. Taxi rufen, Währungsumrechnung, Übersetzer, Kaffee bestellen, im Restaurant bezahlen, Tickets kaufen – alles ist durch eine einzige App möglich. Wo gibt es das schon? Ich glaube ich selbst habe bestimmt mehr als 100 mal am Tag Alipay geöffnet. Durch diese absolute Notwendigkeit der App entsteht allerdings auch das Problem, dass man ohne komplett aufgeschmissen ist. Auch die Sprachbarriere hat uns an gewissen Stellen noch Probleme bereitet und es hat lange nicht alles funktioniert. Doch die chinesischen Studierenden konnten uns oft weiterhelfen. Mein Fazit: neu und anders, am Anfang etwas überfordernd und doch um einiges fortschrittlicher als noch in Deutschland. Allerdings haben wir uns schnell mit den Apps angefreundet und vor allem liebgewonnen, wie praktisch es doch ist. Zurück in Deutschland und rückblickend wirft dies natürlich die Frage auf, ob und inwiefern sich das System hier integrieren lässt. China ist uns in dieser Hinsicht jedenfalls meilenweit voraus. Trotzdem möchte ich auch noch einmal betonen, dass China als Land sehr vielseitig ist und es auch sehr ländliche Regionen gibt, in denen die Situation ganz anders ist. Wir haben in der kurzen Zeit vor allem das Leben in Shanghai als Metropole kennengelernt, wodurch meine Perspektive nicht repräsentative für das gesamte Land ist. Mein Tipp zum Schluss: Auf jeden Fall die Apps vorher runterladen und einrichten!

Text: Tiziana Hiller

Im Jahr 2009 gründeten die HAW Hamburg und die University of Shanghai for Science and Technology (USST) das Shanghai-Hamburg College. Hier werden in den drei Bachelor-Studiengängen Elektrotechnik, Maschinenbau und internationale Wirtschaft und Außenhandel rund 500 Studierende von Lehrenden beider Hochschulen unterrichtet. Und das bilingual – auf Chinesisch und auf Deutsch.
Die nächste Summer-School findet vom 6.-20. September statt. Studierende der Studiengänge Elektrotechnik, Maschinenbau und Wirtschaft können sich bis 30. April unter diesem Link bewerben.

Hier gibt`s mehr Informationen zum Shanghai-Hamburg College

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