HAW Hamburg nimmt Stellung zum Dohnanyi-Gutachten - Fakultäten statt Schools

Im heutigen Pressegespräch der HAW Hamburg nahm die Hochschule Stellung zu den Empfehlungen der Strukturkommission. Hierbei wurden unterschiedliche Vorstellungen zur zukünftigen Gestaltung deutlich. Prof. Dr. Claus-Dieter Wacker, Vizepräsident der zweitgrößten Hamburger Hochschule, betonte: "Die HAW Hamburg ist reformfreudig und reformwillig".




In einem 10-Punkte-Plan wurden die für die HAW Hamburg wichtigsten Aspekte des Dohnanyi-Gutachtens aufgegriffen und erläutert. Am Gespräch nahmen nicht nur Mitglieder des Präsidiums, sondern auch Dekane der Fachbereiche und Experten aus der Wirtschaft teil.

 


Reformen


Die HAW Hamburg sei eine reformfreudige Hochschule, die bereits seit zehn Jahren, weit vor den Empfehlungen der Strukturkommission, Reformen plane und umsetze. Auch deswegen wurde die Hochschule im Jahre 2001 vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft als Reformfachhochschule ausgezeichnet. Die vom Wissenschaftssenator Jörg Dräger geforderten Bachelor- und Masterabschlüsse existieren an der HAW Hamburg bereits zu einem hohen Anteil. Weitere Studiengänge dieser Art sind in Planung.




25%-Quotierung der Master-Abschlüsse


Frau Arens-Azevêdo forderte mehr Flexibilität bei den Bachelor- und Masterabschlüssen, bei denen unterschiedliche Strukturen in Bezug auf die Studiengangslänge vorhanden sein müssten. Die HAW Hamburg hält die Regelung, dass nur 25% der Bachelorabsolventen zukünftig zu einem Masterstudium zugelassen werden sollen, für Makulatur. "Die 25%-Regelung ist unsinnig und viel zu niedrig", bemerkt Wacker. Dies gehe zu Lasten der Internationalisierung und würde der Gleichwertigkeit der Hochschularten widersprechen. Außerdem betonte Prof. Dr. Bernd Kritzmann, Stellvertretender Sprecher des Fachbereichstages Architektur, dass in diesem Studiengang auf der ganzen Welt ein Standard von zehn Semestern vorherrsche. Der Bachelor sei im Bereich Architektur sinnvoll, da eine Großzahl der Absolventen nicht als Architekten arbeiten wolle, sondern in andere Arbeitsfelder abwandere. Aber man müsse jedem Architekturstudenten eine volle Ausbildung ermöglichen. Diese dauere nun einmal zehn Semester.












Gestalter wollen an die HfbK


Bei dieser Einigkeit blieb das Gespräch nicht. Bei der Diskussion um die Zusammenlegung verschiedener Fachbereiche stellten sich Divergenzen heraus. Im Senatsbeschluss vom 8. Mai 2003 - gefasst nach den Empfehlungen der Strukturkommission - wird der Wunsch geäußert, dass der Fachbereich Gestaltung als "Filetstück" der HAW Hamburg an dieser verbleiben soll. Dennoch wird den Gestaltern die Möglichkeit gelassen, über eine Fusion mit der Hochschule für bildende Künste (HfbK) nachzudenken. Prof. Klaus Waschk, Dekan des Fachbereichs Gestaltung, vertrat hierzu sehr vehement die Auffassung, dass sich die Gestalter "mit Händen und Füßen wehren werden, wenn sie an der HAW Hamburg bleiben müssten". Er verurteilte das "kunstfeindliche Klima" in Hamburg und wies auf die hervorragende Ausbildung seines Fachbereichs hin. Die zweijährigen Besprechungen über eine Kooperation der Fachbereiche Medientechnik, Gestaltung sowie Bibliothek und Information habe zu keinem Ergebnis geführt, da die Zielvorstellungen zu unterschiedlich gewesen seien. Nach den neuesten „Optionen“, nach denen der Fachbereich Gestaltung bei der HAW Hamburg verbleiben solle, zeigte sich Waschk empört über die Diskussionen Drägers und der Kommission, da es nur um Finanzen, nicht aber um Inhalte gehe. "Das kommt mir vor wie das Jonglieren mit Zahlen; alles wird ausgewürfelt."




Bildung von Schools?


Die Fachbereiche Architektur, Bauingenieurwesen und Geomatik hingegen beraten seit langem über die Gründung einer Bauakademie. Doch Vorurteile behinderten die Kooperation mit der HfbK, mahnte Prof. Dr. Wolff Mitto, Dekan des Fachbereichs Architektur: "Es gibt keinen größeren Unsinn, als immer wieder zu verbreiten, dass HAW-Architekten technischer Natur und die Architekten der HfbK künstlerischer Natur sind". Wacker stellt fest: "Die HAW Hamburg ist in der Lage, die Architekturausbildung für Hamburg alleine zu tragen, aber sie ist auch zu einer Kooperation mit der HfbK bereit". Prof. Dr. Kritzmann, stellvertretender Sprecher des Fachbereichtages Architektur, unterstrich das Renommee der Ausbildung an der HAW Hamburg, das allgemein anerkannt sei.




Im Bereich Medien scheinen die Pläne des Präsidiums der HAW Hamburg noch einen weiten Weg bis zu ihrer Realisierung zu haben. Nach einer weiteren Option des Wissenschaftsenators, eine Fakultät Medien an der Finkenau unter dem Dach der HAW Hamburg zu bilden, müsse auch in der HAW Hamburg neu nachgedacht werden. Denkbar wäre demnach eine Zusammenlegung der Fachbereiche Medientechnik, Bibliothek und Information sowie Gestaltung an der Finkenau. Prof. Waschk wies diese Option zurück. Er sehe keine Zukunft und keine Überschneidungen dieser Fachbereiche. Somit bleibt die Frage, was aus dem Bereich Medien werden soll.




Life Sciences, einer der Eckpfeiler des Zukunftsprogramms „Wachsende Stadt“ des Hamburger Senats, wurde als wichtiger Schwerpunkt der Ausbildung an der HAW Hamburg am Standort Bergedorf präsentiert. Die dort bereits bestehenden Fachbereiche Ökotrophologie und Naturwissenschaftliche Technik sollen zu einem Fachbreich Life Sciences zusammengeführt werden. Patientenbezogene Themen in den Bereichen Forschung, Technik und Versorgung werden in Studiengängen wie Medizintechnik, Biotechnologie und Ökotrophologie bearbeitet. Von der politischen Zentrale kaum wahrgenommen, hat sich in Bergedorf ein sehr interessantes Modell der Kooperation von Wirtschaft, Stadt und Hochschule entwickelt. Prof. Heinz Lohmann, Vorstandssprecher des LBK Hamburg, sieht die HAW Hamburg als wichtigen Partner der Entwicklung in Bergedorf: „Es gibt viele Ansatzpunkte, die bereits genutzt werden, aber in Zukunft noch verstärkt werden sollten". Der kürzlich gegründete Initiativkreis zwischen hochkarätigen Firmen, dem Bezirksamt Bergedorf und der HAW Hamburg sei hierfür Beleg. Auch der Sprecher der Wirtschaftsvereinigung Bergedorf e.V., Joachim Wagner, lobte die gute Zusammenarbeit: „Die HAW Hamburg stellt in Bergedorf ein Highlight in Forschung und Bildung dar“.






Zukunftsängste und -träume


"Die Gleichwertigkeit von Studiengängen muss erhalten bleiben, sonst lässt sich die HAW Hamburg nicht auf Diskussionen ein", so Frau Arens- Azevêdo zu den Zukunftsängsten, dass die Ausbildung der HAW Hamburg durch die Strukturreformen herabgesetzt werde. Wenn sich die verschiedenen Fachbereiche der HAW Hamburg durch Gründung von Schools oder Kooperation mit anderen Hochschulen abspalten würden, bestünde die Gefahr, dass die ehemalige Fachhochschule bald wieder eine reine Ingenieursschule werde. Deshalb appelliert Wacker: "Die HAW Hamburg soll zusammengehalten werden". Übrigens bevorzugt er die Bezeichnung "Fakultäten", da sie als Untereinheit einer Universität verstanden würden, wohingegen "Schools" eigenständig seien und somit der Hochschulzusammenhalt aufgelöst werde. "Wir sind bereit, größere Einheiten zu schaffen, die nicht Schools, sondern Fakultäten heißen sollen und sich unter dem Dach der HAW Hamburg versammeln."






Hier können Sie die komplette Stellungnahme der HAW Hamburg und die Presseerklärung als pdf-Dokumente downloaden:




- HAW-Stellungnahme Strukturkommission.pdf




- Presseerklärung26.5.pdf



 

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