Jun spricht kein Deutsch und gesteht, dass seine Versuche, ein wenig Deutsch zu lernen, kläglich gescheitert sind. Das hat ihn jedoch nicht davon abgehalten, einige Kurse zu belegen, die auf Deutsch unterrichtet werden. „Ich habe Google Translate im Unterricht dabei, und da ein Großteil unserer Arbeit projektbasiert ist, komme ich ganz gut zurecht. Anderen Studierenden möchte ich sagen: Seid mutig und belegt auch mit keinen Deutschkenntnissen Kurse, die auf Deutsch angeboten werden. Dann habt ihr eine viel größere Auswahl als wenn ihr auf die Liste der Designkurse beschränkt seid, in denen der Unterricht in englischer Sprache garantiert ist.“
Die von ihm gewählten Kurse in Hamburg werden ihm als Credits für sein Studium in Sydney angerechnet, was für ihn sehr wichtig war. So bleibt er in der Regelstudienzeit für sein Studium. Ansonsten genießt er die ganz andere Studienerfahrung: „Alles an der HAW Hamburg ist anders als an meiner Heimatuniversität. Die Seminare sind viel kleiner und familiärer. Die HAW Hamburg verfolgt auch einen praxisorientierteren Ansatz als meine Heimatuniversität. Die größte Überraschung für mich ist jedoch, dass meine Arbeiten während des Semesters nicht benotet werden. Der Druck hinsichtlich Noten und Erwartungen ist viel geringer und der Fokus liegt mehr auf der Erforschung und der Vertiefung des Handwerks.“
Jun entschied sich für ein Auslandsstudium in Deutschland, weil er in seine, Austauschsemester völlig neue Erfahrungen sammeln wollte und Deutschland aufgrund der Empfehlungen seiner Freunde schon immer ganz oben auf seiner Liste stand. „Ich wollte die Kultur, die Gesellschaft und die Atmosphäre erleben. Bisher habe ich die Musikszene genossen und einige Musiker kennengelernt. Ich erkunde auch gerne die Stadt mit ihren vielen Veranstaltungen und Festivals. Hamburg ist eine Stadt, die einem viele Möglichkeiten bietet, hinauszugehen und Abenteuer zu erleben, und genau das mache ich.“
Nach zwei Monaten in Hamburg sieht Jun bereits Veränderungen bei sich: „Das Wichtigste, was ich gerade lerne, ist, flexibel zu bleiben und offen zu sein. Es gab so viele Situationen, in denen ich mich einfach treiben ließ oder meine Pläne anpasste, wenn die Dinge nicht so liefen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Am Ende war das immer das Beste. Wenn man im Ausland studiert, lernt man so viele neue Leute kennen und reist an neue Orte, so dass man nie genau planen kann, was auf einen zukommt. Ich habe gelernt, mich mit neuen Erfahrungen wohlzufühlen, auch wenn sie nicht angenehm sind, und die Dinge so zu nehmen, wie sie kommen. Es macht mir auch viel Spaß, mit Design zu experimentieren und die Freiheit zu genießen, die das bietet. Das ist genau der Grund, warum ich an der HAW Hamburg studieren wollte.“
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Text & Fotos: Ingrid Weatherall/Jack Murray