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Mobilitätskongress 2026

Mobilität am Wendepunkt

Am 04. Juni 2026 fand der Mobilitätskongress an der HAW Hamburg statt. Am Campus Berliner Tor trafen sich Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik. Sie diskutierten, wie sich Mobilität verändert und welche Entscheidungen jetzt zählen. Der Hintergrund ist klar: Mobilität steht unter Druck. Es fließen hohe Investitionen in die Infrastruktur; gleichzeitig wachsen die Erwartungen an neue Lösungen. Themen wie Digitalisierung, neue Verkehrssysteme und die Zukunft des Verbrennungsmotors stehen im Fokus. Der Kongress brachte all diese Themen zusammen, indem er Beispiele aus der Praxis zeigte und Raum für direkten Austausch bot.

Aufnahme vom Mobilitätskongress, Prof. Dr. Ute Lohrentz, Präsidentin der HAW Hamburg, begrüßt die Teilnehmer*innen© HAW Hamburg

Brachte Mobilitätsinteressierte zusammen und schuf einen Raum für Austausch: Der Mobilitätskongress 2026

Auftakt der Veranstaltung und ein Appell zur Zusammenarbeit

Prof. Dr. Ute Lohrentz, Präsidentin der HAW Hamburg, eröffnete die Veranstaltung gemeinsam mit Prof. Dr. Tankred Müller und Prof. Dr. Henner Gärtner. Die Botschaft war klar: Mobilität ist kein abstraktes Thema. Sie betrifft uns täglich, sie ist konkret: „Selten war Mobilität politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich so umkämpft wie heute. Wir brauchen neue Allianzen, mit denen wir Zukunft gestalten“, sagte Lohrentz.
Sie betonte die Rolle der HAW Hamburg als Hochschule, die anwendungsnah arbeitet, interdisziplinär denkt und den Anspruch hat, gesellschaftliche Herausforderungen nicht nur zu beschreiben, sondern aktiv an ihren Lösungen mitzuwirken. Diese seien im Bereich Mobilität zu komplex, um sie isoliert aus einzelnen Perspektiven zu betrachten. Es brauche einen engen Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis. Formate wie der Kongress schaffen deshalb den notwendigen Raum für Austausch, in dem unterschiedliche Fachrichtungen zusammenkommen, um Lösungen interdisziplinär zu denken.

Vielfältiges Programm und breites Themenspektrum

Die Organisator*innen stellten ein vielfältiges Programm auf die Beine mit mehr als 20 Fachbeiträgen, zahlreichen Exponaten im Foyer, einem Roboter sowie zahlreichen Impulsen für die Stadt von morgen. In insgesamt vier parallelen Sessions wurden über den Tag hinweg die unterschiedlichen Facetten moderner Mobilität beleuchtet. Einzelne internationale Speaker brachten zusätzliche Perspektiven ein und erweiterten den Blick über nationale Ansätze hinaus. Das Themenspektrum reichte von klimaneutraler Schieneninfrastruktur bis hin zu digitalen Zwillingen und zeigte, wie breit und zugleich vernetzt die aktuellen Fragestellungen sind.

Was Verhalten wirklich verändert

Mark Hoelling von eScootee stellte eine bewusst provokante These vor: Mobilität lasse sich nicht allein durch technische Lösungen verändern, sondern werde vor allem durch Gewohnheiten, soziale Orientierung und Bequemlichkeit geprägt. Anhand verschiedener Beispiele zeigte er, wie stark die Wahrnehmung unsere Entscheidungen beeinflusst, etwa beim Thema E-Autos. Nach dem Wegfall der staatlichen Förderung entstand bei vielen der Eindruck, die Fahrzeuge seien deutlich teurer geworden, obwohl Hersteller ihre Preise bereits angepasst hatten. In diesem Zusammenhang brachte Hoelling auch die Idee ins Spiel, statt kurzfristiger Maßnahmen wie Tankrabatten stärker auf Kommunikation zu setzen, um solche Missverständnisse gezielt aufzuklären und neue Impulse im Alltag zu schaffen.

„Selten war Mobilität politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich so umkämpft wie heute. Wir brauchen neue Allianzen, mit denen wir Zukunft gestalten“

Prof. Dr. Ute Lohrentz, Präsidentin der HAW Hamburg

Digitalisierung und Klimaziele auf der Schiene

Michael Körber, Leiter Fahrweg Nord bei DB InfraGO, zeigte, wie digitale Lösungen den Betrieb verändern. Dazu gehören Diagnoseplattformen oder auch eine KI-gestützte Disposition. Er betonte den Druck durch den Fachkräftemangel, unterstrich den notwendigen Ausbau der Infrastruktur und machte deutlich, dass auch beim Bau selbst der Klimaschutz stärker in den Mittelpunkt rücken müsse. Sein Kollege Patrick Troch, Referent Emissionsreduziertes Planen und Bauen, machte deutlich, dass die Schiene nur dann einen echten Beitrag zur Klimaneutralität leisten kann, wenn auch ihre Infrastruktur nachhaltiger wird. Dazu gehöre eine CO2-Bilanzierung schon in der Planungsphase und der Einsatz emissionsärmerer Materialien. Auch die Kreislaufwirtschaft für Schiene, Schotter und Schwellen spiele eine wichtige Rolle, so Troch.

Mobilität inklusiv: Der Shared Guide Dog

Prof. Dr. Henner Gärtner stellte den Shared Guide Dog vor, einen mobilen Assistenz-Roboter für Senioren und Sehbehinderte, der nun technisch weiterentwickelt wird. „Das Projekt steht für inklusive Mobilität mit dem Ziel der Teilhabe für alle“, erklärt Gärtner. Das wurde auch auf dem Kongress deutlich: Mit dabei waren ein querschnittgelähmter Teilnehmer aus einem HAW-Forschungsprojekt und ein blinder Nutzer aus dem Projekt Guide Dog. 

Quantencomputing trifft Flugplanung

Rouven Kanitz vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zeigte, wie Quantencomputing künftig Optimierungsprobleme in der Mobilität lösen kann. Im Fokus stand das Projekt QCMobility, das untersucht, wie Quantenalgorithmen komplexe Planungsprozesse unterstützen können. Am Beispiel der Luftfahrt wurde deutlich, wie groß das Potenzial ist – etwa bei der Flugplanung von der Zuordnung von Flugzeugen über die Crewplanung bis zur Routenoptimierung. Gleichzeitig betonte Kanitz, dass solche Ansätze perspektivisch auch auf andere Verkehrsträger übertragbar seien und damit eine effizientere und intelligentere Mobilität ermöglichen könnten.

Mehr Effizienz für die Ladeinfrastruktur

Ein anschauliches Beispiel für die Praxis lieferte Sohail Razmjooy mit eRound Mobility. Er zeigte, wie sich die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge über eine zentrale Plattform vernetzen und steuern lässt. An konkreten Anwendungen wurde deutlich, wie Betreiber ihre Ladepunkte in Echtzeit überwachen, Abläufe automatisieren und so den Betrieb stabiler und effizienter gestalten können. Dabei wurde vor allem eines greifbar: Lösungen wie diese sind notwendig, um die wachsende Komplexität im Ladebetrieb zu beherrschen und deren Ausbau weiter voranzutreiben.

Exponate im Foyer…und ein Roboter

Wer in der Pause durch das Foyer lief, begegnete Husky, einem Logistikroboter, der sich autonom zwischen den Besucherinnen und Besuchern einen Weg zu seinem Ziel bahnte. Kein Ausstellungsstück hinter Absperrband, sondern Forschung zum Anfassen. Weitere Exponate waren beispielsweise Prototypen für digitales Fahrradparken mit App-Steuerung und eine elektrifizierte Ape Calessino mit Axialflussmaschinenantrieb, die von Studierenden der HAW entwickelt wurden. 

Fazit: Austausch als Motor

Den Abschluss bildete ein Afterwork-Networking unter freiem Himmel, organisiert von der Fachschaft und der Orientierungseinheit der Fakultät Nachhaltige Ingenieurwissenschaften. Bei Grill, kühlen Getränken und Gesprächen klang der Tag in entspannter Atmosphäre aus. Der Mobilitätskongress 2026 machte deutlich, worauf es jetzt ankommt: Zusammenarbeit, Praxisnähe und klare Entscheidungen. Jedes Jahr bringt er Menschen zusammen, macht Lösungen sichtbar und setzt Impulse für die Mobilität von morgen. Die Vorfreude auf 2027 ist schon jetzt da.

Text: Jakob Pollok, Jannis Rieger, Frederick Maack und Lukas Marotzki aus dem Master-Modul „Projektmanagement und Kommunikation“ im Studiengang Maschinenbau und Produktion bei Prof. Dr. Henner Gärtner

 

 

 

 

 

 

 

Kontakt

Prof. Dr. Henner Gärtner
Fakultät Nachhaltige Ingenieurwissenschaften

Berliner Tor 21
20099 Hamburg
Raum  211
T +49 40 219 04-1871

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