Prof. Dr. Wolfgang Swoboda vertrat das Lehrgebiet „Medienwissenschaften und Journalistik“ in der Lehre und Forschung mit großer wissenschaftlicher Kompetenz und Leidenschaft. Dabei legte er seinen Fokus schon früh auf die digitalen Techniken, Prozesse und auch den schon damals erkennbaren politischen Impact für die Gesellschaft und ihren Medienkonsum.
Studierenden und Kolleg*innen die Wirkmacht und die Möglichkeiten der Mediennutzung analog wie digital näher zu bringen, war im Kern seine große Motivation.
In der angewandten Lehre sollten die Studierenden mindestens ein gemeinschaftliches Projekt von der Themensetzung bis zur Realisierung durchführen. So entstanden mediale Projekte, die auch immer die Öffentlichkeit erreichen sollten. Antrittsvorlesungen, Podiumsdiskussionen mit namhaften Politikern, Studio Hamburg Projekte, die Einweihung des Neubaus auf dem Kunst- und Mediencampus Hamburgs mit dem 1. Bürgermeister Olaf Scholz oder Diskussionen mit Größen der Musikszene wie Achim Reichel waren nur einige der zahlreichen Projekte. Die Studierenden schrieben Drehbücher, zeichneten die Diskussionen auf und bearbeiteten sie, bis das Ergebnis auf einer professionellen Plattform über das Internet allen Interessierten zur Verfügung stand. Seine Studierenden schätzten diesen engagierten Hochschullehrer, der medienpraktische Kompetenz mit technologischen Innovationen und gesellschaftlicher Verantwortung verband. Durch die enge Verzahnung von Theorie und Anwendung begleitete er Generationen von Studierenden auf ihrem Weg zu reflektierten und verantwortungsbewussten Medienakteurinnen und -akteuren in dieser digitalen Welt.
Vor allem diese Art der Projekte und ihre Sichtbarkeit förderten die Interdisziplinarität in der Fakultät Design, Medien und Information.
Aber auch sein Engagement in der Forschung und in internationalen Projekten wirkt bis heute. Ein wichtiges Engagement war das „ELCH“, das E-Learning-Consortium Hamburg. Nach Beauftragung durch die Behörde für Wissenschaft, Forschung und Gleichstellung (BWFG) im Jahre 2002 sollte sich das ELCH hochschulübergreifend den Auswirkungen digitaler Lernplattformen in Lehre und Forschung, aber auch in der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky (STABI) widmen. Die Ergebnisse waren sehr überzeugend und eine Verstetigung der hochschulübergreifenden digitale Arbeit sollte im neu gegründeten Multimedia Kontor Hamburg (MMKH) geschehen. Eine Institution, die noch heute für die Hamburger Hochschulen Vernetzung und Forschungsdokumentation im großen Themengebiet Digitalisierung in Wissenschaft und Kunst bietet.
Mit seiner großen Leidenschaft, kollegialer Gestaltungskraft und pädagogischem Geschick widmete Prof. Dr. Wolfgang H. Swoboda sein berufliches Leben der Profilierung des Fachgebiets Medien und Kommunikation an der HAW Hamburg.
Über seine Lehrtätigkeit hinaus war Wolfgang Swoboda ein prägender Gestalter des Kunst- und Mediencampus Hamburg an der Finkenau. Der Ditze-Hörsaal und das Forum Finkenau sollten Orte professioneller digitaler Medienanwendung für Berufungen und Antrittsvorlesungen, Präsentation, Ringvorlesungen und Konferenzen, für Begrüßungen und Verabschiedungen der Studierenden für alle Studiengänge und Institutionen sein.
Als langjähriger Prodekan für Internationales, Departmentsleiter sowie als Sprecher der Fachgruppe Medien und Kommunikation übernahm er Führungsverantwortung in der akademischen Selbstverwaltung für zentrale strukturelle und inhaltliche Innovationsprozesse.
Sein akademischer Weg begann mit dem Studium der Pädagogik, Publizistik- und Kommunikationswissenschaft sowie Sprach- und Medienpsychologie in Bochum. Nach seiner Promotion und wissenschaftlichen Stationen an der Ruhr-Universität Bochum und der Universität der Bundeswehr in München folgte er 1994 dem Ruf an die damalige Fachhochschule Hamburg, die heutige HAW Hamburg. Dort lehrte er zunächst u. a. zur redaktionellen Praxis sowie zu Strukturen und Konzepten des Mediensystems. Ab 2003 verantwortete er das Fachgebiet Medienwissenschaften und Journalistik. Neben seiner Lehrtätigkeit war er in zahlreichen lokalen, regionalen und internationalen Projekten aktiv, wirkte in internationalen E-Learning-Konsortien mit und lehrte u. a. als Gastprofessor in Wuhan, China.
Bis zu seinem Ruhestand im September 2021 und auch darüber hinaus wirkte Herr Prof. Dr. Swoboda entscheidend an der Profilierung kommunikationswissenschaftlicher Lehre und Forschung an der HAW Hamburg mit. Mit seinem Tod verliert die Hochschule einen geschätzten Kollegen und engagierten Hochschulgestalter, dessen Wirken stets von der Verantwortung für seine Mitmenschen getragen war. Seine Ideen, seine Haltung und sein Engagement für die akademische Lehre werden an der HAW Hamburg fortwirken.
Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Angehörigen und allen, die ihm nahestanden.
Text: Prof. Dorothea Wenzel
