Blaulichter an der HAW Hamburg in Bergedorf, die Polizei ist seit wenigen Minuten im Gebäude, draußen bereiten Rettungskräfte einen Patiententransport vor, der Leitende Notarzt und Organisatorische Leiter stehen in den Startlöchern, denn gleich wird es ernst und geht es los.
Schon früh am Morgen trafen die Gruppen der realistischen Unfalldarstellerinnen und -darsteller aus Pinneberg und Hannover auf dem HAW-Gelände ein. Unter der Führung von Jonathan Steinke und Kai Zaengel bereiteten sich dazu zahlreiche Studierende auf die Übung vor.
Mit Wachs, Kunstblut, Requisiten und Spateln wurden in kürzester Zeit unterschiedlichste Krankheitsbilder und Verletzungen plastisch modelliert. Parallel wurden mit zahlreichen freiwilligen Helfern die letzten Vorbereitungen für das seit einem Jahr geplante Szenario getroffen. Es folgte eine letzte Einweisung für die Einsatzkräfte und die VerletztendarstellerInnen.
Nach vier Stunden Vorbereitung konnte es losgehen. Ein simulierter Notruf, ein Übungsrettungswagen und dann war auch schon die Polizei vor Ort, um die Störer, die im Gebäude ihr Unwesen anrichteten, zu stellen und Erste Hilfe zu leisten. Während sich die Polizei in dem verwinkelten HAW-Gebäude voran arbeitete, trafen die ersten Rettungskräfte des Arbeiter Samariter Bunds (ASB) Hannover und des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) aus Uelzen und Lüneburg ein. Sie errichteten eine Patientenablage auf dem weiträumigen Parkplatz der Hochschule.
Die Notärzte kategorisierten die aus dem Gebäude gebrachten und teilweise getragenen DarstellerInnen nach Art und Schwere ihrer Verletzungen, um den Überblick zu behalten und jedem schnellstmöglich adäquate Hilfe zu gewähren. Das DRK und der ASB versorgten die Verletzungen vor Ort. Behandelte, transportfähige Patienten wurden mit den 15 Rettungswagen eine Straße weiter gefahren, um dort in die durch eine Übergabezone dargestellten Krankenhäuser eingewiesen zu werden. In der Regel werden bei einem solch großen Szenario alle Krankenhäuser im näheren und weiteren Umkreis angefahren.
Um die Übung so realistisch wie möglich zu gestalten, waren nicht alle Rettungsmittel sofort vor Ort. Die Einsatzfahrzeuge wurden dazu in einem Bereitstellungsraum aufgereiht hingestellt und bedarfsgerecht hinzualarmiert.
Psychische Belastungen haben auch in der Notfallversorgung einen zunehmend bedeutenden Stellenwert. So simulierten einige DarstellerInnen eine psychische Belastung, in dem sie einen Angehörigen vermissten oder unter dem Eindruck des Erlebten standen Die Erste Hilfe für die Seele leistete in der Übung das Kriseninterventions-Team aus Norderstedt mit 15 Einsatzkräften. Auch nach der Übung standen die Kräfte als Ansprechpartner für ein Nachgespräch bereit.
„Da die Einsatzübung auf dem Gelände der HAW Hamburg stattfand, nutzten wir diese Gelegenheit von Hochschulseite, um wissenschaftliche Daten zu erheben und Forschungsansätze im Rettungsbereich weiter zu verfolgen“, erklärt Boris Tolg, Professor für Informatik und Mathematik an der Fakultät Life Sciences.
Die Übung dient vorrangig der Förderung der Zusammenarbeit der unterschiedlichen Einsatzorganisationen, die in so einem großen Rahmen sonst nicht möglich ist. In der anschließenden Evaluation der einzelnen Organisationseinheiten werden mögliche Schwächen in der Zusammenarbeit aufgedeckt und Verbesserungsvorschläge gemacht. „Insgesamt ein sehr positives Ergebnis!“, bilanziert Professor Tolg. (Autoren: Boris Tolg/Katharina Jeorgakopulos)
Informationen zum Projekt "Sicherheitsstörung 2019": Neben über 100 Verletztendarstellern waren knapp 150 Einsatzkräfte der Hilfsorganisationen und 90 Polizeikräfte an der Übung beteiligt. Dabei wurden für Forschungsprojekte Daten erhoben, um neue Erkenntnisse in Bezug auf die Schnittstellen zwischen Polizei und Rettungsdienst zu gewinnen.
Kontakt:
Fakultät Life Sciences
Department Medizintechnik
Prof. Dr.-Ing. Boris Tolg
Professor für Informatik und Mathematik
Tel.: +49.40.428 75-6272
<link mail window for sending>boris.tolg@haw-hamburg.de