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Interview mit zwei Nachwuchskünstlerinnen

Zwischen Mut und Material

Mut zum Risiko, Vertrauen in den eigenen Prozess und die Freiheit, Kontrolle abzugeben, mit diesen Impulsen begleiteten die Kurse von Prof. Gabriele Basch die Absolventinnen Tabea Mertens (24) und Finja Meyer (25). Beide entwickelten eigenständige malerische Positionen: Tabea erforscht in gestischen Farbaufträgen Transformation und Überformung, während Finja aus intuitiven Impulsen heraus arbeitet und im freien, selbstbestimmten Malprozess ihre Bildwelten entstehen lässt. Ihre Abschlussarbeiten präsentieren sie vom 12. bis 14. Februar beim Rundgang Armgarstraße.

Nachwuchskunst auf dem Rundgang Armgarstraße © HAW Hamburg

Tabea Martens und Finja Mertens (v.l.n.r.) stehen vor ihren Arbeiten. Sie haben just ihren Bachelor an der HAW Hamburg gemacht.

Woher stammen die Ideen für Eure Abschlussarbeiten?

Tabea:
Die Idee für meine Abschlussarbeit hat sich über einen längeren Zeitraum entwickelt. Prägend waren die Kurse bei Prof. Gabriele Basch. Dort habe ich intensiv mit gestischen Farbaufträgen gearbeitet. Ausgangspunkt war häufig eine spontane, körperliche Bewegung, die sich direkt ins Material einschreibt. Diese Gestik wird anschließend bewusst gestört oder überarbeitet, sodass eine Transformation entsteht. Bei einigen meiner Arbeiten schichte und verändere ich die Farbaufträge so intensiv, dass die erste spontane Bewegung fast vollständig verschwindet. Mich fasziniert genau dieser transformative Akt: Ich greife ein und überforme das Material, um den Weg für Neues zu öffnen.

Finja:
Ich habe schon immer gerne gemalt. In der Schule war das Malen jedoch meist an feste Vorgaben gebunden mit wenig Raum für freies Arbeiten. Vielleicht fehlte mir damals auch der Mut, ohne Vorzeichnung einfach loszulegen. Auch für mich waren die Kurse bei Gabriele Basch sehr prägend. Dort habe ich neue Methoden und Techniken kennengelernt, wie man Farbe auf Papier bringen kann. Mit der Zeit wächst das Vertrauen in den eigenen Prozess. Ich bin mutiger. Denn wie Gabriele Basch sagte: „Es ist nur ein Stück Papier – da kann nichts kaputtgehen.“
Diese Erkenntnis war für mich sehr befreiend.
Gleichzeitig ist es wichtig, eine ungefähre Vorstellung davon zu haben, wie etwas später aussehen könnte, ohne sich dabei zu sehr festzulegen. Für meine Abschlussarbeit wurde mir immer klarer, dass ich mich mit dem beschäftigen möchte, was mir wirklich Spaß macht und worauf ich richtig Lust habe. Aus diesem Wunsch nach freiem, selbstbestimmtem Arbeiten ist schließlich die Idee für meine Abschlussarbeit entstanden.

Womit seid ihr sehr zufrieden?
Tabea:
Ich bin sehr zufrieden damit, dass ich mit dieser Methode eine große Varianz an Bildwelten entwickeln kann. Meine frühen Arbeiten sehen anders aus, aber sie passen dennoch alle zusammen, weil sie aus derselben Methodik heraus entstanden sind.
Besonders schätze ich, dass ich mit dieser Arbeitsweise immer weiterarbeiten kann. Je tiefer ich in den Prozess eingestiegen bin, desto besser habe ich verstanden, wie ich eigentlich male und wie ich die Arbeit weiterführen kann. Dieses wachsende Verständnis für meinen eigenen malerischen Prozess ist etwas, womit ich sehr zufrieden bin

Finja:
Ich bin sehr zufrieden damit, dass ich intuitiv angefangen habe zu arbeiten und dass aus diesem Anfang tatsächlich etwas entstanden ist. Besonders wichtig für mich ist, dass ich diesen Prozess durchlaufen habe – vom ersten spontanen Impuls bis zu den fertigen Arbeiten.
Während des Malens kommen immer wieder Zweifel auf, und oft findet man plötzlich alles schlecht. Diese Phasen gehören für mich zum Arbeiten dazu. Umso zufriedener bin ich darüber, dass ich mir Zeit genommen habe, Abstand zu gewinnen und mich wieder zu sammeln. Dadurch konnte ich weiterarbeiten und dem Prozess vertrauen.

Wer oder was hat inspiriert dich? 
Tabea:
Mich inspiriert die Künstlerin Julia Gruner. Ihre Arbeitsweise gibt dem Zufall und den Reaktionen der Materialien sehr viel Raum. Der Zufall wird bewusst eingeladen, während die Dinge nur bis zu einem gewissen Grad kontrolliert bleiben. Diese Haltung „Kontrolle abzugeben“ passt eigentlich gar nicht zu mir, und gerade deshalb war sie für mich so wichtig. Durch diese Methode wurde mir mein eigenes Arbeiten bewusster. Es geht darum, einige Parameter festzulegen und innerhalb dieser Offenheit zuzulassen, was passiert. Auch Stimmungen spielen für meine Arbeit eine große Rolle. Gabriele hat einmal gesagt, man solle richtig wütend sein beim Arbeiten. Wenn man wütend ist, kann man keine Angst haben. Dieser Gedanke hat mich sehr geprägt und mir geholfen, freier und mutiger zu arbeiten.

Finja:
Mich inspiriert die Natur in ihrer rohen und ungeschönten Form – deshalb gefällt mir auch der Künstler Per Kirkeby. Ich habe einmal auf einer Insel gemalt; dort, wo man endlich den Platz hat, um sich wirklich auszubreiten. In dieser Weite findet man eine Freiheit für den kreativen Prozess, die kein Atelier bieten kann.

 

 

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