Projektbeschreibung
Warum eine Reformierung des Ingenieurstudiums?
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Unsere Gesellschaft steht vor der Bewältigung komplexer Herausforderungen. Ingenieur*innen tragen eine Verantwortung, an der Entwicklung tragfähiger Lösungen mitzuwirken und technische Innovationen unter Berücksichtigung ihrer ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen zu gestalten. Dies erfordert veränderte Kompetenzen der Studienabsolvent*innen, passende Lehr- und Lernformen und ein erweitertes Verständnis ingenieurwissenschaftlicher Praxis.
Mit der Gründung der Fakultät Nachhaltige Ingenieurwissenschaften werden die Studiengänge der Fakultät neu ausgerichtet. Ziel des Projekts ist die Weiterentwicklung des Ingenieurstudiums als Lern-, Entwicklungs- und Gestaltungsraum für Studierende. Nachhaltigkeit, Projektlernen, forschendes Lernen, einen gelingenden Studienstart und die Förderung ingenieurmäßigen Denkens und Handelns verstehen wir dabei als zentrale Gestaltungsprinzipien eines zukunftsfähigen Ingenieurstudiums.
Besonders wichtig ist uns dabei die Beteiligung der Studierenden: Sie sollen Ingenieurstudium und Ingenieurpraxis von Anfang an mitgestalten.
Unser Zieldimensionen für ein zukunftsfähiges Ingenieurstudium
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Die Ziele des Projekts beschreiben wir auf zwei miteinander verbundenen Ebenen: als grundlegende Orientierungen für die Kompetenzentwicklung der Studierenden und als konkrete Veränderungsziele für Studiengänge und Lehr-Lern-Praxis.
Drei Leitorientierungen prägen unser Verständnis eines zukunftsfähigen Ingenieurstudiums:
- Nachhaltigkeitsorientierung: Verantwortung für die ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Auswirkungen ingenieurwissenschaftlichen Handelns übernehmen.
- Gestaltungsorientierung: Fragestellungen aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft zum Ausgangspunkt von Lern- und Entwicklungsprozessen machen.
- Forschungsorientierung: Eine fragend-forschende Haltung entwickeln und Studium mit wissenschaftlicher Praxis verbinden.
Für Studiengänge und Lehr-Lern-Praxis werden diese Orientierungen in fünf Veränderungszielen konkret:
- Nachhaltigkeit verankern: Nachhaltigkeitsthemen und Nachhaltigkeitskompetenzen in Module und Curricula integrieren.
- Projektlernen stärken: Komplexe Problemstellungen in Projekten bearbeiten und dabei zunehmend Verantwortung übernehmen.
- Forschendes Lernen stärken: Forschendes Lernen als Lehr-Lernformat ausbauen und mit bestehenden Forschungsaktivitäten der Fakultät verknüpfen.
- Gelingenden Studienstart gestalten: Den Übergang ins Studium erfolgreich gestalten und selbstständiges Lernen fördern.
- Ingenieurmäßiges Denken und Handeln fördern: Fachliche Grundlagen erwerben und eine professionelle Identität als Ingenieur*in entwickeln.
Die Zieldimensionen sind Orientierungsrahmen für die Entwicklung von Learning Outcomes, Studieninhalten, curricularen Strukturen, Lehr- und Lernformaten sowie für die Weiterentwicklung des Ingenieurstudiums insgesamt.
Wie organisieren wir die Veränderung des Ingenieurstudiums?
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Die Weiterentwicklung des Ingenieurstudiums verstehen wir als gemeinsamen Lern-, Entwicklungs- und Gestaltungsprozess. Die folgenden Entwicklungsstränge beschreiben die zentralen Wege, auf denen neue Ideen entstehen, erprobt, diskutiert, reflektiert, verankert und für andere nutzbar gemacht werden. Sie schaffen Orientierung für die Projektarbeit und verbinden unterschiedliche Aktivitäten zu einem gemeinsamen Reformprozess. Sie laufen parallel.
- Bestandsaufnahme + Recherche: Im Sinne einer erfahrungsbasierten Arbeitsweise beginnt jedes Arbeitspaket mit einer systematischen Bestandsaufnahme und Feinplanung. Dieser Entwicklungsstrang dient dazu, vorhandenes Wissen zu erschließen, bewährte Konzepte sichtbar zu machen und Entwicklungsbedarfe systematisch zu identifizieren.
- Entwickeln + Experimentieren: Im Sinne einer experimentellen Arbeitsweise werden neue Konzepte und Formate entwickelt, pilotiert und weiterentwickelt. Dieser Entwicklungsstrang dient dazu, Ideen frühzeitig praktisch zu erproben und Erfahrungen zu sammeln, die als Grundlage für ihre Weiterentwicklung und Verstetigung dienen.
- Austausch + Diskurs: Im Sinne einer co-kreativen und dialogischen Arbeitsweise werden unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt und neue Ideen gemeinsam diskutiert. Dieser Entwicklungsstrang schafft Räume, in denen unterschiedliche Perspektiven und Interessen sichtbar werden, etablierte Denk- und Handlungsweisen hinterfragt und gemeinsame Positionen entwickelt werden können.
- Reflektieren + Nachjustieren: Jedes Handlungsfeld klärt zunächst, worin sich der Erfolg von Maßnahmen ausdrückt. Im Sinne einer reflexiven Arbeitsweise werden Veränderungen prozessbegleitend reflektiert und weiterentwickelt. Dieser Entwicklungsstrang dient dazu, die Projektarbeit an den angestrebten Zielen, Ergebnissen und Wirkungen auszurichten, Annahmen zu überprüfen und zugleich Wissen über die Wirkungsweise von Maßnahmen zu generieren.
- Verankern: Bewährte Lösungen werden dauerhaft in Studiengänge, Lehrpraxis, Gremienstrukturen sowie Studien- und Prüfungsordnungen integriert. Je nach Maßnahme kann diese Verankerung unterschiedliche Wege gehen – von der informellen Etablierung als gelebte Praxis bis zur förmlichen Aufnahme in Ordnungen – und unterschiedlich weit reichen, von einzelnen Modulen bis zur gesamten Fakultät.
- Vernetzen+ Transfer: Das Projekt baut Beziehungen zu Netzwerken und Partner*innen aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft auf und pflegt sie. Im Projekt gewonnene Erfahrungen und Erkenntnisse werden dokumentiert, veröffentlicht und mit anderen Hochschulen sowie Akteur*innen geteilt.
Wer gestaltet das Projekt?
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Die Weiterentwicklung des Ingenieurstudiums ist eine gemeinsame Aufgabe der Fakultät Nachhaltige Ingenieurwissenschaften. Das Projekt SDG NIW wird deshalb nicht losgelöst von den bestehenden Strukturen der Fakultät umgesetzt, sondern ist eng mit den strategischen, akademischen und organisatorischen Entwicklungsprozessen der Fakultät verzahnt.
- Studierende, Lehrende, Fakultätsleitung und Projektteam gestalten die Studienreform gemeinsam im Dialog mit Partner*innen aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft.
- Das Projektteam initiiert und begleitet Entwicklungsprozesse, organisiert Beteiligungsformate und unterstützt die curriculare Weiterentwicklung der Studiengänge.
- Die strategische Anbindung erfolgt über die Fakultätsleitung.
- Der Studienreformausschuss (SRA) dient als zentraler Ort für Austausch, Reflexion und Abstimmung der Reformvorhaben und stellt somit einen wichtigen Knotenpunkt dar.
- Die dauerhafte Verankerung erfolgreicher Veränderungen erfolgt über die zuständigen Gremien der Fakultät, insbesondere den Fakultätsrat.
Ideen zur Weiterentwicklung des Ingenieurstudiums durchlaufen dabei einen gemeinsamen Entwicklungsweg: Sie werden von Studierenden, Lehrenden und dem Projektteam entwickelt und geschärft, im Studienreformausschuss erprobt und reflektiert und – wenn sie sich bewähren – über die zuständigen Gremien der Fakultät dauerhaft in Studium und Lehre verankert. So wird aus einer ersten Idee Schritt für Schritt eine erprobte und wirksame Maßnahme.
Nach welchen Prinzipien arbeiten wir?
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Die Arbeitsweise im Projekt ist durch folgende Prinzipien geprägt:
- Co-kreativ: Studierende, Lehrende und externe Partner*innen aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft gestalten die Studienreform gemeinsam.
- Erfahrungsbasiert: Bestehende Erfahrungen, Vorarbeiten und Good Practices bilden wichtige Ausgangspunkte der Projektarbeit.
- Experimentell: Im Sinne eines iterativen Vorgehens werden neue Ideen entwickelt, erprobt und auf Grundlage von Erfahrungen weiterentwickelt.
- Dialogisch: Unterschiedliche Perspektiven, Interessen und Erfahrungen werden sichtbar gemacht und ins Gespräch gebracht.
- Reflexiv: Entscheidungen und Maßnahmen werden kontinuierlich hinsichtlich ihrer Wirkungen hinterfragt.
- Ganzheitlich: Curriculum, Lehr-Lern-Praxis, Studienorganisation, Governance und Fakultätskultur werden in ihrem Zusammenspiel betrachtet.
Diese Arbeitsprinzipien prägen die konkrete Ausgestaltung des Projekts. Sie spiegeln sich in neun miteinander verbundenen Entwicklungssträngen wider, die Orientierung für die gemeinsame Arbeit schaffen und den Reformprozess strukturieren.