Kann Bildung noch Chancen schaffen? Hochschulzugang und -verbleib für Menschen mit Migrationserfahrung

Arbeitsstelle Migration
Yvonne Fietz
Steindamm 105, 4. OG |20099 Hamburg
migration (at) haw-hamburg (dot) de
Am 25. Juni 2026 kamen über 120 Teilnehmende aus Schule, Hochschule, Verwaltung, Bildungseinrichtungen und Zivilgesellschaft zur bundesweiten Fachtagung "Kann Bildung noch Chancen schaffen? Hochschulzugang und -verbleib für Menschen mit Migrationserfahrung" an der HAW Hamburg zusammen. Im Zentrum stand das vom AMIF geförderte Projekt BildungsCHANCE, das mit seinem ganzheitlichen Ansatz zeigt, wie Forschung und Praxis zur Chancengerechtigkeit im Bildungssystem zusammenwirken können.
Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Ute Lohrentz (Präsidentin der HAW Hamburg) und Grußworten von Staatsrätin Michaela Peponis (Behörde für Schule, Familie und Berufsbildung) sowie Andrea Thormählen (Leiterin des AMIF-Bewilligungszentrums) berichteten Teilnehmende des Projekts BildungsCHANCE von ihren eigenen Erfahrungen – von der Abiturvorbereitung über die Elternberatung bis zum Studieneinstieg. Mit ihrer Keynote zu Inklusion und Diversität als institutionellem Gestaltungsauftrag öffnete Prof. Dr. Mechtild Gomolla (Pädagogische Hochschule Karlsruhe) anschließend den Reflexionsraum für die Migrationsforschung und die Praktiken der Arbeitsstelle Migration.
In fünf Workshops wurden nach der Mittagspause zentrale Herausforderungen beim Hochschulzugang und -verbleib für Menschen mit Migrationserfahrung vertieft. Externe Referent*innen und Mitarbeiter*innen aus dem Projekt BildungsCHANCE eröffneten die Diskussionen mit Impulsvorträgen, gemeinsam mit den Teilnehmenden wurden anschließend unterschiedliche Perspektiven, Erfahrungen und erprobte Lösungsansätze zusammengetragen. Aus dem intensiven Austausch entstanden Statements, die im abschließenden Plenum vorgestellt wurden und nun die Grundlage für die weitere Arbeit bilden: In Zusammenarbeit mit allen Interessierten – der "Allianz der Vordenker*innen” – wird daraus im Nachgang der Tagung ein Policy Brief erarbeitet.
Die Fachtagung machte deutlich: Insbesondere in Zeiten von Haushaltskonsolidierungen und gesellschaftlichem Wandel durch Künstliche Intelligenz scheinen die Bildungschancen von Menschen mit Migrationserfahrung besonders gefährdet. Umso wichtiger ist es, dass Forschung, Praxis und gelebte Erfahrung zusammenwirken, um weiterhin Chancen zu ermöglichen und Bildungswege gerechter zu gestalten. Mit dem geplanten Policy Brief wirkt der Austausch des Tages über die Tagung hinaus – ein ermutigendes Zeichen dafür, dass gemeinsames Engagement auch in herausfordernden Zeiten Wirkung entfalten kann.
Einblicke zur Fachtagung
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Programm
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Moderation: Dr. Christoph Porschke
| 09:30 | Check-In |
| 10:00 | Begrüßung Grußworte |
| 10:30 | Einblicke ins Projekt BildungsCHANCE Projektteilnehmer*innen berichten von ihren Erfahrungen im Projekt |
| 11:00 | Keynote: Inklusion und Diversität als Chance und institutioneller Gestaltungsauftrag für Schule und Hochschule Prof. Dr. Mechtild Gomolla, Pädagogische Hochschule Karlsruhe |
| 12:00 | Mittagspause & kollegialer Austausch |
| 13:00 | Workshops – siehe unten Durchgang 1 |
| 14:30 | Kaffeepause |
| 15:00 | Workshops – siehe unten Durchgang 2 |
| 16:30 | Präsentation der Workshopergebnisse |
| 17:00 | Ende |
Workshops
1 – Herausforderung Erkennung und Anerkennung mitgebrachter Kompetenzen
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Dr. Ina Kordts, Universität Basel
Dr. Cornelia Sylla, HAW Hamburg
Die Umsetzung von Ressourcenorientierung im migrationspädagogischen Kontext als Nutzbarmachung mitgebrachter Kompetenzen bleibt eine Herausforderung, welche durch die wachsende Bedeutung von KI in Bildungsprozessen potenziert wird. Im Workshop werden am Beispiel von Herausforderungen, die mit dem Kompetenzerwerb in der respektiv durch die Bildungssprache Deutsch einhergehen, Ansätze vorgestellt und diskutiert, wie damit produktiv umgegangen werden kann.
2 – Herausforderung KI in Bildungsprozessen
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Lea Biere, Universität Paderborn
Karl-Justus Boos und Yvonne Fietz, HAW Hamburg
KI als Digitalisierung 5.0 stellt institutionelle und individuelle Bildungsprozesse (Lehren, Lernen und deren Evaluation) vor erhebliche Herausforderungen. In Bezug auf die Frage, was diese tiefgreifende Transformation für Personen mit persönlicher Migrationserfahrung bedeutet, scheint aktuell die Benachteiligtenpädagogik wenig adäquate Antworten zu haben. Im Projekt BildungsCHANCE wird der Frage nachgegangen, wie KI Lernprozesse – auch mit Blick auf migrationsbedingte Benachteiligungen - strukturieren und ermöglichen kann, statt sie zu behindern. Pädagogische Ansätze werden anhand des Erwerbs von Programmierkompetenzen vorgestellt und diskutiert.
3 – Herausforderung psychosoziale Stabilisierung der Lebenslage
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Dr. phil. Alexandra Liedl, Centra – Koordinierendes Zentrum für traumatisierte Geflüchtete des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf
Janina Hertel und Janine zur Nieden, HAW Hamburg
Alle international vergleichenden Studien seit der ersten Pisa-Studie machen deutlich, dass die alleinige Fokussierung auf Kognition nicht zielführend für Bildungsprozesse ist. Vielmehr hat sich die Einsicht etabliert, dass die ganzheitliche Stabilisierung der Lebenslage eine wichtige Voraussetzung für den Bildungserfolg darstellt. Dies gilt umso mehr für Menschen mit Migrationserfahrung im Bildungssystem. In diesem Workshop wird mit Fokus auf die Lebenslagendimension psychische Gesundheit diskutiert, wie eine ganzheitliche Stabilisierung in den Bildungsprozess integriert und ausgestaltet werden kann.
4 – Herausforderung Empowerment als Teilhabe und Teilgabe
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Hemrîn Oso und Daria Molchanova, Studentische Initiative Bunte Hände der Arbeitsstelle Migration
Vladislawa Kasper, HAW Hamburg
Migrationsbedingte Integrationsprozesse brauchen Räume für Wertschätzung und Selbstwirksamkeit. In diesem Zusammenhang spielen trotz des individuellen Charakters von Biografien die sogenannten Vorbilder und Wegbegleiter*innen eine zentrale Rolle, wenn es um die Überwindung psychologischer Barrieren und das Aufzeigen von Möglichkeitsräumen in scheinbar verschlossenen Systemen und um die Bildung von sozialem Kapital geht. In diesem Workshop werden Peer-to-Peer-Konzepte zur gezielten Förderung von Teilhabe und Teilgabe für Oberstufenschüler*innen und Studieneinsteiger*innen mit Migrationserfahrung dargestellt und diskutiert.
5 – Herausforderung Systemkompetenzentwicklung in der Elternarbeit
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Dr. Alison Benbow, Humboldt-Universität zu Berlin
Giulia Pesapane, Bundeselternnetzwerk der Migrant*innenorganisationen für Bildung und Teilhabe (bbt)
Sara Karsli, HAW Hamburg
Bildungsinstitutionen setzen hierzulande die Mitarbeit von Erziehungsberechtigten selbstverständlich und von daher implizit voraus. Dies gilt sowohl für die inhaltliche und fachliche Unterstützung als auch die allgemeine Orientierung im überaus komplexen Bildungssystem. Für sogenannte „bildungsferne“ Familien wie auch für neu zugewanderte Familien stellt diese Anforderung eine erhebliche Herausforderung dar. Sie können ihren Kindern schlechthin nicht geben, was sie selbst nicht kennen. Diese Benachteiligung wird jedoch unzureichend thematisiert, geschweige denn adressiert. In diesem Workshop werden mit Blick auf diese Problemlage aktuelle Forschungsergebnisse und pädagogische Ansätze einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Erziehungsberechtigten und Bildungsinstitutionen dargestellt und diskutiert.
BildungsCHANCE (2024 – 2027)
Das übergeordnete Ziel des von Prof. Dr. Louis Henri Seukwa geleiteten Forschungsprojekts ist eine nachhaltige und ganzheitliche Verbesserung der BildungsCHANCEen von Schüler*innen, Studieninteressierten und Studieneinsteiger*innen aus Drittstaaten im Hinblick auf einen erfolgreichen Zugang, Einstieg, Verbleib und Abschluss eines Hochschulstudiums in Deutschland.
Das Projekt BildungsCHANCE der Arbeitsstelle Migration wird gefördert vom Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds AMIF der Europäischen Union.
