ResOPraLL – Ressourcenorientierung praxisnah Lernen und Lehren

Das Forschungsprojekt ResOPraLL verfolgt das Ziel, ressourcenorientierte Perspektiven und Handlungskonzepte Sozialer Arbeit im Kontext von Flucht*Migration weiterzuentwickeln, empirisch zu untersuchen und für Lehre und Praxis nutzbar zu machen. Im Mittelpunkt des Projekts steht die partizipative Entwicklung, Erprobung und wissenschaftliche Begleitung einer barrierearmen, mehrsprachigen digitalen Plattform, die Bewohner*innen von Erstaufnahmeeinrichtungen (EAE) die Möglichkeit eröffnen soll, eigene Fähigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen zu artikulieren, sichtbar zu machen und in soziale Austauschprozesse einzubringen.
Die Plattform dient als Praxisinstrument, Untersuchungsraum und Lerngegenstand. Ausgangspunkt ist die Annahme, dass Fähigkeiten, Kenntnisse und Erfahrungen in konkreten Lebens-, Bildungs- und Erfahrungszusammenhängen entstehen und erst in sozialen und institutionellen Kontexten als Ressourcen sichtbar, anerkannt und nutzbar werden (Seukwa 2007). Untersucht wird, wie Ressourcenorientierung im Kontext von Erstaufnahmeeinrichtungen praktisch hergestellt wird und welche Potenziale und Grenzen sich dabei zeigen.
Die Plattform „Maharoo – Share your Skills“
Menschen, die in Erstaufnahmeeinrichtungen leben, sind häufig mit einem stark fremdbestimmten Alltag und eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten konfrontiert. Gleichzeitig verfügen sie über vielfältige Ressourcen, Kompetenzen und Bewältigungsstrategien, die im Alltag oftmals wenig Anerkennung finden. Hier setzt die Plattform Maharoo – Share your Skills an, in dem sie ein niedrigschwelliges mehrsprachiges Tauschforum zur Verfügung stellt. Bewohner*innen von Erstaufnahmeeinrichtungen können eintragen, was sie anbieten und wobei sie Unterstützung suchen. Dabei gibt es keine feste Aufteilung in Gebende und Empfangende: Wer heute Unterstützung sucht, kann morgen selbst eine Fähigkeit anbieten.
Das Projekt ist eng mit der Lehre an der HAW Hamburg verknüpft. Geplant sind zwei projektbezogene Seminare. Eines befasst sich mit der Ausgestaltung und Verbreitung der Plattform sowie mit der Schulung von Freiwilligen; das andere mit der Begleitforschung. In die Ausgestaltung und Einführung der Plattform, der Seminare sowie in die Auswertung und Diskussion von Ergebnissen sollen sowohl Bewohner*innen von Erstaufnahmeeinrichtungen, Studierende der Sozialen Arbeit als auch Engagierte aus der freiwilligen Flüchtlingshilfe einbezogen werden. Die Zusammenarbeit soll Reflexionsprozesse anregen und Gelegenheiten für eine kritische Auseinandersetzung mit defizit- und ressourcenorientierten Perspektiven schaffen. Die projektbezogenen Seminare verbinden fachliches Lernen, Forschung und Praxisentwicklung. Studierende erhalten so die Möglichkeit, Ressourcenorientierung nicht nur als theoretisches Konzept kennenzulernen, sondern deren praktische Hervorbringung und Begrenzungen in konkreten institutionellen Kontexten zu analysieren und mitzugestalten.
Begleitend wird untersucht, wie Ressourcenorientierung im Umgang mit der Plattform praktisch hergestellt, ausgehandelt, übersetzt, gelernt, begrenzt oder auch verfehlt wird. Die so gewonnenen Erkenntnisse sollen in die curriculare und didaktische Weiterentwicklung der Studiengänge einfließen und nachhaltig verankert werden.
Das Projekt verfolgt damit vier zentrale Ziele: die Professionalisierung angehender Sozialarbeiterinnen, die Stärkung und Sichtbarmachung der Ressourcen von Bewohnerinnen in Erstaufnahmeeinrichtungen, die Förderung von Selbstreflexion und Perspektivwechseln bei Studierenden und Freiwilligen sowie die nachhaltige Weiterentwicklung von Lehre und Praxis ressourcenorientierter Sozialer Arbeit durch Forschung.
Die Umsetzung des Projektes ResOPraLL wird durch Stiftung Innovation in der Hochschullehre gefördert.

Arbeitsstelle Migration
HAW Hamburg
Steindamm 105, 4. OG
20099 Hamburg
Bernard Rasch
Niklas-Max Thönneßen
Projektteam
resoprall (at) haw-hamburg (dot) de