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Lehr-Lern-Coaching an der HAW Hamburg

Mit Multiperspektivität die Lehre verbessern

Wir lernen ein Leben lang – an dieses Motto knüpft das Coaching-Angebot der HAW Hamburg an. Alle Lehrenden der HAW Hamburg haben die Möglichkeit, ein Einzel- oder Gruppencoaching wahrzunehmen. Für neuberufene Professor*innen ist das Coaching verbindlicher Bestandteil des methodisch-didaktischen Einstiegsprogramms. Beim Lehr-Lern-Coaching, das von der Arbeitsstelle Studium und Didaktik (ASD) betreut wird, können sich alle Lehrenden fakultätsübergreifend mit internen Coaches zu unterschiedlichen Themen austauschen. Wie sich das Coaching genau gestaltet und warum es sich lohnt, mitzumachen, berichten Teilnehmende und Coaches.

Studierende des Departments Maschinenbau und Produktion während einer Vorlesung bei Prof. Dr. Teschke

Studierende des Departments Maschinenbau und Produktion während einer Vorlesung bei Prof. Dr. Teschke

Ein perfektes Tandem – dieses Gefühl stellt sich während des Gesprächs mit Katharina Straß und Prof. Dr. Michael Neitzke immer mehr ein. Und tatsächlich sind beide zusammen auch ein Coaching-Team, das Neuberufene bei ihrem Einstieg an der Hochschule mit Gruppencoachings unterstützt. „Wir haben natürlich auch zum Start an der HAW Hamburg an einem Coaching teilgenommen und haben uns dann im ersten Durchgang der internen Weiterbildung zum Lehr-Lern-Coach kennengelernt“, erzählt Katharina Straß, die am Department Pflege und Management arbeitet. Für sie war es schon als Studentin und Lehrerende wichtig, sich zu vernetzen und auszutauschen. Das Angebot der HAW Hamburg, ihre Coaching-Skills mit einer Ausbildung weiter zu professionalisieren, kam Katharina Straß sehr entgegen.

Wir merken, dass die Nachfrage nach „Work-Life-Balance“- Coachings in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist.

Prof. Dr. Michael Neitzke vom Departement Informatik und Lehr-Lern-Coach

In ihrem gemeinsamen Gruppencoaching-Angebot zum Thema „Leben und Lehren in Balance“ blicken sie und Prof. Dr. Michael Neitzke weniger auf didaktische Fragestellungen, sondern rücken den Menschen in den Vordergrund: „Der Alltag in der Lehre – egal ob als Neuberufene*r oder schon länger an der Hochschule Lehrende*r – kann extrem belastend sein. Und das nicht erst seit Corona“, so Prof. Dr. Michael Neitzke vom Departement Informatik. „Wir müssen das Alltagsleben und die Lehre zusammen sehen. Wenn ich das als Lehrender in Balance bringe und mir meiner inneren Haltung bewusst bin, ergeben sich daraus auch gute didaktische Methoden. Wir merken, dass die Nachfrage nach „Work-Life-Balance“- Coachings in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen ist.“

Didaktische Coachings erleichtern den Wechsel aus der Wirtschaft an die Hochschule

Das kann auch Prof. Dr. Udo Pulm vom Department Maschinenbau und Produktion bestätigen. Nach seinem Wechsel aus der Wirtschaft in den Hochschulbetrieb waren Coaching-Angebote mit einer didaktischen Ausrichtung hilfreich, um ein Gefühl für die eigenen Lehrmethoden zu bekommen. „Zum einen empfand ich es als sehr positiv, von Kaja Heitmann schon vor meinem Start an der HAW Hamburg über die Coaching-Angebote informiert und zu einem Workshop eingeladen worden zu sein. Zum anderen habe ich in den Gruppencoachings erfahren, dass viele Kolleg*innen ähnliche Fragestellungen haben. Der Austausch und das fakultätsübergreifende Networking haben den Einstieg sehr erleichtert.“

Nach einem Semester Lehre am Campus musste aber auch Prof. Dr. Udo Pulm im März 2020 den Seminarraum gegen den Laptop tauschen: „Das Coaching ‘Leben und Lehren in Balance‘ war vor allem in den Corona-Semestern ein guter Begleiter, auch wenn der Austausch überwiegend digital stattgefunden hat.“

Als Coaches stehen wir vor immer wieder neuen, sehr unterschiedlichen Gruppen und müssen erst einmal schauen, welchen Auftrag sie an uns herantragen.

Katharina Straß vom Department Pflege und Management

Gruppen- oder Einzelcoachings?

Im Austausch und dem kollegialen Lernen voneinander sehen Katharina Straß und Prof Dr. Michael Neitzke auch den Vorteil eines Gruppencoachings: „Im Vergleich zu einer klassischen Fortbildung lebt das Coaching von der Dynamik der Gruppe. Als Coaches stehen wir vor immer wieder neuen, sehr unterschiedlichen Gruppen und müssen erst einmal schauen, welchen Auftrag sie an uns herantragen“, erklärt Katharina Straß.

An der HAW Hamburg wird jedoch neben dem Gruppen- auch Einzelcoaching angeboten. In der Gruppe können viele oft von den Themen der anderen profitieren und die Multiperspektivität hilft, eigene Fragestellungen besser zu lösen. Doch nicht jede*r möchte sich mit den eigenen, vermeintlichen Schwächen den Kolleg*innen zeigen. „Das Einzelcoaching hat den Vorteil, sehr zielgerichtet Themen anzugehen und die oder der Coachee bestimmen allein den Verlauf der Sitzung“, so Prof. Dr. Michael Neitzke.

Ich kann nur empfehlen, dass Coaching-Angebot offen und als Bereicherung anzunehmen – für die Lehre, das kollegiale Miteinander an der Hochschule und den eigenen Alltag.

Prof. Dr. Udo Pulm vom Department Maschinenbau und Produktion

Mit einem Einzelcoaching ist Prof. Dr. Eva-Maria Schön nach ihrer Neuberufung an die HAW Hamburg 2019 in die Lehrtätigkeit gestartet. Die Professorin für Wirtschaftsinformatik hatte bereits vor ihrem Start an der Hochschule Weiterbildungen wahrgenommen, um sich auf die Lehre vorzubereiten: „Mit Kaja Heitmann von der ASD habe ich geschaut, welche Coaching-Angebote am besten für mich passen. Ich habe mich dann für das Einzelcoaching entschieden, um gezielt meine Lehre zu optimieren. Denn für mich waren die sehr heterogenen Zielgruppen, die in den Lehrveranstaltungen sind, eine der größten Herausforderungen“, erinnert sich Prof. Dr. Eva-Maria Schön.

Gemeinsam mit ihrer inzwischen emeritierten Coachin hat sie nicht nur ihre Seminare besprochen, sondern ihre Coach hospitierte auch in Lehrveranstaltungen und regte direkte Feedbackgespräche mit den Studierenden an. Der intensive und sehr persönliche Austausch waren passgenau auf die Bedarfe von Prof. Dr. Eva-Maria Schön ausgerichtet. „Zusätzlich konnte ich mich über den Workshop zur Kompetenz-orientierung mit Kolleg*innen vernetzen“, sagt Prof. Dr. Eva-Maria Schön. „Es war enorm wertvoll, mich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Vor allem haben wir hier viel offener über Themen gesprochen als beispielsweise bei Dienstbesprechungen.“

Mit Kaja Heitmann von der ASD habe ich geschaut, welche Coaching-Angebote am besten für mich passen. Ich habe mich dann für das Einzelcoaching entschieden, um gezielt meine Lehre zu optimieren.

Prof. Dr. Eva-Maria Schön, Professorin für Wirtschaftsinformatik

Coaching ist ein geschützter Raum

Egal ob Einzel- oder Gruppencoaching – der Mehrwert für die Lehrenden sowie für die HAW Hamburg, deren besonderes Markenzeichen die kompetenzorientierte Lehre ist, zeigt sich im positiven Feedback der Teilnehmenden: „Ich kann nur empfehlen, dass Coaching-Angebot offen und als Bereicherung anzunehmen – für die Lehre, das kollegiale Miteinander an der Hochschule und den eigenen Alltag“, bekräftigt Prof. Dr. Udo Pulm. „Das Coaching bietet den Lehrenden einen geschützten Raum, in dem sie auch mal Schwächen zeigen können und in dem sie zugleich erleben, dass es bei den vielen fachlichen Unterschieden auch sehr viele Gemeinsamkeiten mit den Kolleg*innen gibt“, weiß Katharina Straß. Prof. Dr. Eva-Maria Schön ergänzt: „Bei der Auswahl der Maßnahmen gibt es durch Kaja Heitmann eine großartige Unterstützung und wenn es Bedarfe über das bestehende Angebot hinaus gibt, wird zusammen geschaut, wie sich entsprechende Workshops umsetzen lassen.“

Das Coachingmodell der HAW Hamburg wurde 2009 im Projekt „Lehren lernen“ entwickelt und ging als Preisträger aus dem Wettbewerb „Exzellente Lehre“ des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft hervor. Ab 2010 setzte die Hochschule das Coachingmodell mit externen Coach*innen um. Seit 2012 wird der Pool der HAW-Coach*innen durch Lehrende, die sich zu internen Lehr-Lern-Coach*innen qualifizieren, um die kollegiale Perspektive ergänzt und erweitert. Seit 2016 ist das Coaching als wichtiger Baustein der Qualitätsentwicklung in der Lehre im Struktur- und Entwicklungsplan der HAW Hamburg strategisch verankert. Leitgedanken des Coachingmodells sind eine studierendenorientierte Lehre und eine Lehr- und Lernkultur, die beruht auf

  • Offenheit und Wertschätzung,
  • Perspektivwechsel und Feedback,
  • fächer- und fakultätsübergreifendem Austausch sowie
  • kollegialer Vernetzung und wechselseitigem Voneinander-Lernen.

Kontakt

Dr. Kaja Heitmann
Arbeitsstelle Studium und Didaktik

kaja.heitmann (@) haw-hamburg.de

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