Stracyfic

Stracyfic - Soziale und ethische Aspekte aus der Perspektive von Patient:innen und Ärtz:innen beim Einsatz eines neuen Diagnose-Tools für zystische Fibrose: Vertrauen und Autonomie als vermittelnde Faktoren

Digitale medizinischen Daten

Das BMBF-geförderte, internationale Stracyfic-Forschungsprojekt wird eine neuartige Strategie zur besseren Klassifizierung und Überwachung von Patient:innen mit Mukoviszidose nach ihrem individuellen Grad der krankheitsverursachenden Wirkung anbieten. Auf lange Sicht ermöglicht dieser personalisierte-medizin Ansatz eine bessere Erkennung und ein besseres Management der Krankheit. Das Teilprojekt 4, das an der HAW Hamburg unter Leitung von Prof. Sabine Wöhlke durchgeführt wird, erforscht sozialwissenschaftlichen sowie empirisch-ethischen Folgen der Implementierung der neuartigen diagnostischen Strategie. Hierzu wird intensiv mit der Patient:innenorganisation Mukoviszidose e. V. zusammengearbeitet. Die Leitung des Verbundvorhabens obliegt Dr. Manuel Nietert der Universitätsmedizin Göttingen.

Der Nachweis von salzigem Schweiß wird seit langem zur Diagnose von Mukoviszidose verwendet, einer seltenen Erkrankung, die bei 1 von 2 500 Lebendgeborenen auftritt und mit einer hohen Morbidität und Mortalität verbunden ist. Mukoviszidose ist die häufigste rezessive Erbkrankheit und wird durch CFTR-Mutationen verursacht, die einen zähen Schleim erzeugt, der die Atemwege und die Lumen der exokrinen Drüsen verstopft. Stracyfic wird die Entwicklung einer robusten Implementierung einer neuartigen Messmethode durchführen, um den individuellen Schweregrad des zugrunde liegenden biologischen Prozesses, den Mukoviszidose verursacht, in vivo als einen den Phänotyp definierenden Parameter zu bewerten. Der verfügbare Messbereich kann somit zur Beurteilung des individuellen Ansprechens auf therapeutische Maßnahmen verwendet werden sowie zur Stratifizierung von Patient:innen im mittleren Aktivitätsbereich. Mit dieser neuartigen Messmethode können diese milderen Fälle besser diagnostiziert werden, bevor ein Eingreifen zu spät ist, oder um die Behandlung bereits diagnostizierter Fälle zu optimieren, indem die Medikamentenspiegel entsprechend dem zugrundeliegenden biologischen Mechanismus personalisiert werden können.

Im ethischen Begleitprojekt werden – mittels sozialwissenschaftlicher und empirisch-ethischer Analyse – die Einstellungen und Erwartungen sowohl der Patient:innen als auch der Ärzt:innen gegenüber dem neuen Testverfahren ermittelt. Die Analyse konzentriert sich dabei auf relevante ethische Werte, wie Autonomie und Vertrauen. Aber auch Erwartungen von Patient:innen und Ärzt:innen hinsichtlich der Arzt-Patient-Beziehung soll untersucht werden, um zu ermitteln, inwieweit es durch Kommunikation über den diagnostischen Test zu technischen Artefakten kommt. Ziel der Untersuchung ist es, Unsicherheiten, Konflikte und Probleme zu identifizieren, die Rahmen dieses speziellen diagnostischen Feldes auftreten können. Es sollen dabei auch Einblicke in die medizinisch-diagnostische Alltagswelt von Patient:innen und Ärzt:innen gewonnen werden, wenn neue technologischen Artefakte in Form eines Diagnoseinstrumentes in die Praxis implementiert werden, um anhand dessen eine ethische Diskussion führen zu können, und mögliche „blinde Flecken“ zu identifizieren.

Das innovative Potenzial dieses Teilprojekt liegt einerseits darin, medizinethische, angewendete Standards in der Praxis besser zu verstehen, mit besonderem Fokus darauf, welche Informationen Vertrauen und Autonomie fördern. Darüber hinaus soll der transnationale Kontext genutzt werden, um kulturelle Unterschiede in der alltäglichen Beziehung zwischen Patient:in und Arzt/Ärtzin zu analysieren, mit besonderem Fokus darauf, wie den Patient:innen die neue Technologie vermittelt wird und wie damit ihre Autonomie gestaltet wird. Diese Erkenntnisse können helfen, Best Practice Beispiele als Schulungsmaterial für die Selbsthilfegruppe und für die Medizinerausbildung abzuleiten, welche in enge Zusammenarbeit mit der Patient:innenorganisation Mukoviszidose e. V. erarbeitet werden sollen.

Durch die Vernetzung transnationaler engagierter Informatiker:innen, Biolog:innen, Pflegekräfte und Sozialwissenschaftler:innen bringt das Stracyfic-Projekt einen neuartigen Biomarker auf eine translationale Anwendungsebene. Auf diese Weise werden der Testaufbau und die Analyse an verschiedenen Standorten und in verschiedenen Ländern weiter verbessert und standardisiert. Ausgehend von Partner:innen aus Belgien, Frankreich, Deutschland und Italien umfasst dies auch die Erstellung und Verteilung von geeignetem Schulungs-/Lehrmaterial. Soziale und ethische Forschungsgruppe sowie Patient:innenorganisationen werden einbezogen, um die Auswirkungen der Umstellung zu bewerten und den Prozess zu begleiten.

Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (Förderkennzeichen: 01KU2310)

Stellenausschreibung: Studentische Hilfskraft (40h/Monat, für zunächst 6 Monate) - Bewerbungsfrist: 15.2.2024

Projekt Team:

Lea Wilken
Projektlaufzeit
-
ProjektBudget
307.645
Mittelgeber
Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
Einrichtungen
CCG - Gesundheit Fakultät Life Sciences
x