Kann Bildung noch Chancen schaffen? Hochschulzugang für junge Menschen mit Migrationserfahrung

Am 19. März 2026 lädt die Arbeitsstelle Migration zur bundesweiten Fachtagung im Rahmen des AMIF-Projektes BildungsCHANCE an die HAW Hamburg ein.
Die bundesweite Fachtagung im Rahmen des von Prof. Dr. Louis Henri Seukwa geleiteten AMIF-Projektes BildungsCHANCE richtet sich an die breite (Fach)Öffentlichkeit und möchte mit Akteur*innen aus Bildung, Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft sowie externen Expert*innen erste Ergebnisse der Begleitforschung vorstellen, um dies als Impuls zu nutzen, gemeinsame Strategien zu entwickeln, die den Übergang von der Schule zur Hochschule für junge Menschen mit Migrationserfahrung erleichtern und verbessern.
Vor inzwischen mehr als einem halben Jahrhundert haben Bourdieu und Passeron (1971) Chancengleichheit im damaligen französischen Bildungssystem als Illusion entlarvt. Es stellt sich die Frage, inwiefern institutionelle Bildung heute als Instrument des sozialen Aufstiegs fungieren kann, oder ob sie weiterhin alternativloser Weg zur Reproduktion sozioökonomischer Ungleichheitsstrukturen ist.
Am Beispiel junger Menschen mit Migrationserfahrungen lässt sich untersuchen, wie das Bildungssystem mit den vorhandenen Ungleichheiten umgeht. Trotz vorhandenem Interesse an einem Studium und mitgebrachten Kompetenzen gelingt der Übergang von Schule zu Hochschule jungen Menschen mit Migrationserfahrung deutlicher seltener als Gleichaltrigen, deren Bildungsweg bereits länger im deutschen Bildungssystem verläuft. Welche strukturellen Hürden führen dazu, dass sie häufig auf berufliche Bildungswege verwiesen werden – auch dann, wenn ein Hochschulzugang realistisch wäre? Wie können Schule, Hochschule und weitere beteiligte Akteur*innen gemeinsam dazu beitragen, den Übergang von der Schule zur Hochschule für junge Menschen mit Migrationserfahrung erfolgreicher zu gestalten?
Die Vorstellung und Diskussion erster Ergebnisse der Begleitforschung des AMIF-Projekts BildungsCHANCE der Arbeitsstelle Migration bildet den Ausgangspunkt für die Entwicklung gemeinsamer Strategien. Neben der Analyse von Herausforderungen werden Best-Practice-Beispiele vorgestellt, die zeigen, wie Übergänge erfolgreich gestaltet und junge Menschen mit Migrationserfahrung nachhaltig unterstützt werden können. Die Fachtagung bietet Raum für Austausch, Vernetzung und gemeinsame Reflexion und richtet sich an Lehrkräfte und Schulleitungen weiterführender Schulen, Hochschulvertreter*innen, Mitarbeitende der Bildungsverwaltung, NGOs und Initiativen im Bereich Bildungsgerechtigkeit und Migration sowie an Schüler*innen und Studierende mit Migrationserfahrung.
Nach inhaltlichen Impulsen zur aktuellen Situation von Bildungswegen junger Menschen mit Migrationserfahrung und einer anschließenden Podiumsdiskussion am Vormittag, stehen nachmittags vertiefende Workshops im Mittelpunkt. Wir freuen uns darauf, mit Ihnen die Chance zu nutzen und Zukunft zu gestalten.
Programm
Die Fachtagung findet am 19. März 2026 in Präsenz in der Aula Berliner Tor 21 an der HAW Hamburg von 10:00 bis 18:00 Uhr statt.
| 10:00 | Begrüßung |
| 10:05 | Grußworte |
| 10:30 | Keynote Impulsvortrag zur aktuellen Lage: Bildungswege von Jugendlichen mit Migrationserfahrung in Hamburg Film mit Interviewausschnitten mit SuS/Eltern/Studierenden |
| 11:15 | Paneldiskussion "Was braucht es für einen erfolgreichen Übergang?" Perspektiven aus Schule, Hochschule und Zivilgesellschaft |
| 12:30 | Mittagspause |
| 13:30 | Workshops – siehe unten Durchgang 1 |
| 15:00 | Kaffeepause |
| 15:30 | Workshops – siehe unten Durchgang 2 |
| 17:00 | Präsentation der Workshopergebnisse |
| 17:30 | Abschlussrunde |
| 18:00 | Ende |
Workshop 1: Kompetenzerfassung und Studienorientierung
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Ausgehend von dem Ansatz der Soziokontextualität von Kompetenzen, werden in diesem Workshop die Möglichkeiten zur konstruktiven Bearbeitung von Barrieren für junge Menschen mit Migrationserfahrung thematisiert, die mit der (Nicht-)Anerkennung von Kompetenzen beim Wechsel des Bildungssystems einhergehen.
Referent: Prof. Dr. Joachim Schroeder, Universität Hamburg
Workshop 2: Sprachförderung ab Sekundarstufe II und KI
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Der Einstieg in die Sekundarstufe II und in die Hochschule ist sowohl formal als auch ganz praktisch mit hohen sprachlichen Anforderungen an Schüler*innen und Studieninteressierte verknüpft. Erfahrungen aus der Praxis erlauben die Hypothese, dass begleitende mit den Bildungsprogrammen verzahnte Sprachförderung durch die Einstiegshürde nicht obsolet werden. In diesem Workshop wird auch diskutiert, wie die Digitalisierung und insbesondere der Einsatz von KI-Tools unterstützen könnte.
Referentin: Dr. des. Ina Kordts, Universität Basel
Workshop 3: Empowerment und Partizipation
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Migration geht auch immer mit einer Veränderung der sozialen Netzwerke einher. Diskriminierungserfahrungen fördern zusätzlich die Isolation. Auf die Zielgruppe(n) spezialisierte Empowermentkonzepte können dem entgegenwirken und die Partizipationsmöglichkeiten an vielfältigen gesellschaftliche Teilsystemen gleichzeitig erhöhen.
Referentin: Dr. Elina Marmer (empower, Hamburg)
Workshop 4: Elternarbeit - Systemkompetenzentwicklung
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Viele junge Menschen (insbesondere Schüler*innen) migrieren nicht allein, sondern können auf familiäre Unterstützung zurückgreifen. Durch gezielte mehrsprachige Beratung im Hinblick auf Systemkompetenz und Konzepte zur schulischen Kooperation mit Eltern kann das gesamte Familiensystem gestärkt werden.
Referentin: Alaa Yakoub Agha (iNEMSA, Halle) – angefragt
Workshop 5: Soziale Vernetzung und psychosoziale Stabilisierung
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Migration geht nicht selten mit psychosozialen Belastungen einher, die in Folge auch den Bildungsweg beeinträchtigen können. Ganzheitliche transdisziplinäre Ansätze zur psychosozialen Stabilisierung werden in diesem Workshop thematisiert.
Referentinnen: Janine zur Nieden, Julia Fischer-Ortmann, Centra - Traumazentrum Flucht- und Migration, Hamburg
Teilnahme
Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Wir bitten um eine Anmeldung bis zum 6. März 2026.
Das Anmeldeformular steht in Kürze zur Verfügung.
BildungsCHANCE (2024 – 2027)
Das übergeordnete Ziel des von Prof. Dr. Louis Henri Seukwa geleiteten Forschungsprojekts ist eine nachhaltige und ganzheitliche Verbesserung der BildungsCHANCEen von Schüler*innen, Studieninteressierten und Studieneinsteiger*innen aus Drittstaaten im Hinblick auf einen erfolgreichen Zugang, Einstieg, Verbleib und Abschluss eines Hochschulstudiums in Deutschland.
Das Projekt BildungsCHANCE der Arbeitsstelle Migration wird gefördert vom Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds AMIF der Europäischen Union.

Arbeitsstelle Migration
HAW Hamburg
Dr. Cornelia Sylla
Steindamm 105, 4. OG |20099 Hamburg
migration (at) haw-hamburg (dot) de