Das Große und Ganze im Blick

Jonas Kindel, Regenerative Energiesysteme und Energiemanagement – Elektro- und Informationstechnik
Jonas Kindel,studiert für die Energiewende
Absolvent*innen des Studiengangs „Regenerative Energiesysteme und Energiemanagement – Elektro- und Informationstechnik“ sind gut gerüstet, um die Energiewende voranzutreiben. Interessierte sollten Spaß an naturwissenschaftlichen Zusammenhängen und Lust am Programmieren mitbringen.

Immer mehr Sonne, Wind und Bioenergie, immer weniger Öl, Kohle und Gas lautet das Ziel. Für eine erfolgreiche Energiewende müssen bestehende Wind-, Solarenergie- und Biogas-Anlagen gewartet, neue und effektivere Anlagen entwickelt und letztlich zertifiziert werden. Das bietet ein breites Aufgabenfeld für die Absolvent*innen des Studiengangs „Regenerative Energiesysteme und Energiemanagement – Elektro- und Informationstechnik“ an der HAW Hamburg.

Im Bereich Energiemanagement geht es um die Rahmenbedingungen für eine wetterunabhängige Versorgung beispielsweise mit Solarenergie

Prof. Gustav Vaupel

„Der Studiengang zielt darauf ab, den gesamten Bereich der regenerativen Energiesysteme, aber auch das Feld Energiemanagement aus elektrotechnischer Sicht zu behandeln“, erläutert Professor Gustav Vaupel, der den im Wintersemester 2013/14 gestarteten Studiengang maßgeblich mitentwickelt hat. Das Themenfeld umfasse alle Prozesse und Systeme, von der Erzeugung über den Transport und der Verteilung bis zur Nutzung regenerativer Energieformen. „Im Bereich Energiemanagement geht es zudem etwa um die Rahmenbedingungen, die gegeben sein müssen, um eine wetterunabhängige Versorgung beispielsweise mit Solarenergie zu gewährleisten. Da fließen viele Faktoren ein, von der Speicherung bei den Erzeugern bis zum Verhalten der Verbraucher“, so der stellvertretende Leiter des Departments Informations- und Elektrotechnik.

Ein eigener Studiengang für regenerative Energie­systeme

Den Ansatz, regenerative Energiesysteme akademisch abzubilden, habe es bereits gegeben, doch eher in Form von Vertiefungsmöglichkeiten im Rahmen etablierter Ingenieurstudiengänge. „Wir hingegen wollten einen eigenständigen Studiengang konzipieren, der zudem die Grundlagen in Mathematik, Physik und Elektrotechnik interdisziplinär vermittelt.“ Durch die Verzahnung der Inhalte werde von Anfang an deutlich, wozu die Studierenden den Stoff lernen. „Und das motiviert“, weiß Vaupel. Dem stimmt Jonas Kindel zu. Der 24-Jährige hatte sich nach seinem Abitur zunächst für ein Studium an einer Technischen Universität entschieden. „Ich habe Informatik-Ingenieurwesen studiert. Aber es war mir einfach zu theoretisch, mir fehlte der Praxisbezug und das hat mich irgendwann demotiviert.“ Also hat er sich umorientiert. „Ein Freund von mir studierte an der HAW Hamburg Medientechnik und hat sich sehr wohlgefühlt, also habe ich mich auf der Website umgesehen. Die Kombination von Elektrotechnik mit regenerativen Energiesystemen und alles mit praktischer Umsetzung in den Laboren – das war genau, was ich suchte.“

Um das theoretische Grundlagenwissen in Mathematik, Physik und Elektrotechnik kam Kindel, der inzwischen im dritten Semester studiert, allerdings auch an der HAW Hamburg nicht herum. „Doch hier greift eben unser interdisziplinärer Ansatz“, betont Vaupel. „Ein bestimmtes Thema wird von mehreren Seiten parallel betrachtet: mathematisch, physikalisch und elektrotechnisch.“ Ein Beispiel: Photovoltaik ist die direkte Umwandlung von Sonnenlicht in elektrische Energie. Während also die Studierenden im Modul Physik lernen, was etwa passiert, wenn Photonen, also Lichtteilchen, in geeigneten Materialien absorbiert werden, wird im Modul Elektrotechnik aufgezeigt, wie sich das breite Solarspektrum mit Photonenenergien wirksam in einem Energiekonverter umsetzten lässt. Und da die Effizienz einer Solaranlage von der Strahlungsenergie pro Zeit und Fläche abhängt, wird der Wirkungsgrad im Modul Mathematik errechnet.

Auszeichnung "Bestes Maschinenhaus 2017"

Für diesen interdisziplinären Ansatz ist der Studiengang „Regenerative Energiesysteme und Energiemanagement – Elektro- und Informationstechnik“ mit dem Hochschulpreis „Bestes Maschinenhaus 2017“ des VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau e. V.) ausgezeichnet worden. Und das so gewonnene theoretische Wissen wird durch die praktische Arbeit in Laboren und in Projekten verankert. So bearbeiten die Studierenden bereits im dritten Semester in Integrationsprojekten aktuelle Fragen aus Industrie und Forschung, um so zu selbstständigen Lösungen zu kommen. Denn in der aktuellen Diskussion um den Klimawandel sind kluge Lösungen stark gefragt. Immer mehr jungen Menschen ist es wichtig, sich nicht nur in ihrer Freizeit für die Umwelt zu engagieren. Ein Studium der regenerativen Energien als Zeichen für mehr Klimaschutz also? „Der Studiengang nutzt durchaus diese Motivation der Studienanwärter*innen. Nur muss eben klar sein, dass zum Klimaschutz auch Mathematik und Physik dazugehören“, betont Vaupel.

Es ist ein forderndes Studium. Wenn ein Fehler gefunden werden muss, ist es manchmal ein bisschen wie Detektivarbeit.

Jonas Kindel

„Es ist ein forderndes Studium“, bestätigt auch Kindel. Neben dem Verständnis für naturwissenschaftliche Zusammenhänge sowie einem Interesse am Programmieren, sei auch logisches Denken gefragt. „Und ein gutes Zeitmanagement kann auch nicht schaden. Wenn einem die Inhalte nicht sofort zufliegen, kostet das Nacharbeiten manchmal richtig Zeit.“ Doch wiederum sei es die Arbeit in den Laboren, die mit „Aha“-Effekten motiviere. „Je nach Versuchsaufbau errechnen wir zunächst die theoretischen Werte und schauen dann im Experiment, ob wir sie auch in der Praxis erzielen.“ Das klappe durchaus nicht immer auf Anhieb, weiß Kindel. „Oft liegt es nur an einer Kleinigkeit, aber dieser eine Fehler muss eben gefunden werden – ein bisschen wie Detektivarbeit“, schmunzelt er.

Studieren für die Energiewende

Auch wenn es gerade die Kleinigkeiten sind, an denen Versuche scheitern, das Studium ist gerade darauf ausgerichtet, das Große und Ganze stets im Blick zu behalten. „Uns geht es darum, dass die Studierenden lernen, in Systemen zu denken – lösungsorientiert und interdisziplinär“, betont Vaupel. Doch um ein System optimieren zu können, muss jede Einzelkomponente verstanden werden. „Das mag am Anfang mühsam erscheinen, aber es lohnt sich. Und nur so kann die Energiewende gelingen.“

Und wo können die Absolventen ihren Teil dazu beitragen, die Energiewende zu realisieren? „Unsere Absolventen finden sich sowohl bei Herstellern von Komponenten als auch bei Netzbetreibern – hier ist besonders Energiemanagement-Knowhow gefragt. Aber auch Ingenieurbüros oder große Industrieunternehmen sind potentielle Arbeitgeber. Und dann ist da noch das Feld der Zertifizierung neuer Anlagen“, so Vaupel.

Jonas Kindel hat noch nicht entschieden, wohin ihn das Studium konkret führen soll. „Windenergie könnte mich reizen, aber ich könnte mir auch eine Tätigkeit im Bereich Testen und Zertifizieren von Anlagen vorstellen. Vielleicht schließe ich aber auch noch einen Masterstudiengang an“, überlegt er. Dabei biete der Bachelor of Science, mit dem der Studiengang Regenerative Energiesysteme und Energiemanagement nach sieben Semestern abschließt, durchaus einen sehr guten Einstieg ins Berufsleben, findet Vaupel. „Und nach einem guten Bachelorabschluss ist eine wissenschaftliche Vertiefung mit einem Master immer möglich.“

Text: Yvonne Scheller

Weitere Informationen:

VDMA-Preis: Bestes Maschinenhaus 2017

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