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Elektrotechnik und Informationstechnik studieren

Auch was für Nicht-Mathe-Cracks

Fünf Fragen an... Heike Neumann, Professorin für Angewandte Mathematik und Software Engineering an der Fakultät Technik und Informatik sowie Studiengangskoordinatorin des Bachelor-Studiengangs Elektro- und Informationstechnik. Studierende – die explizit keine Mathe-Cracks sein müssen – können mit exzellenten Berufschancen rechnen, ist die promovierte Mathematikerin überzeugt. 

Prof. Dr. Heike Neumann

Liebe Professorin Neumann, zur Einstimmung für Nicht-Mathematiker*innen: Was kann ich mir unter angewandter Mathematik vorstellen?

Angewandte Mathematik ist die Mathematik, die sofort in eine konkrete Anwendung übersetzt werden kann. Es gibt die Mathematik, bei der sozusagen aus Spaß abstrakte Probleme durchdacht und nach Lösungswegen geforscht wird, ohne dass dabei ein konkreter Nutzen herauskommen muss. Und es gibt die angewandte Mathematik, wie sie beispielsweise in der Systemanalyse oder der Bildverarbeitung zum Einsatz kommt, und die dadurch zu einem Werkzeug für eine ganz bestimmte Anwendung wird. Etwa die Verschlüsselungstechnologie. 

Womit wir bei einem ihrer Forschungsschwerpunkte sind: Verschlüsselungstechnologien. Bei mir löst das Assoziationen zu Spionage und James Bond aus…

Bei mir auch – und genau das hat mich gereizt: Der Ansatz Gut gegen Böse. Statt allerdings tatsächlich zu einem Nachrichtendienst zu gehen, habe ich als Kryptografin bei NXP Semiconductors angefangen. Im Bereich Chipkarten habe ich mich mit den kryptografischen Funktionen beschäftigt, die zum Beispiel bei Personalausweisen oder Bankkarten benötigt werden. Dabei lag der Schwerpunkt vor allem auf dem Aufdecken von Schwachstellen, also auf dem Hacken der Produkte. Ich war immer schon gut im „Fehlerfinden“.

2013 sind Sie von der Industrie an die Hochschule gewechselt. Unter anderem betreuen Sie an der HAW Hamburg als Studiengangskoordinatorin den Bachelor-Studiengang Elektro- und Informationstechnik – ist das ein Studiengang nur für Mathe-Cracks? 

Das kann ich ganz klar verneinen! Wer nicht gerade eine ausgewachsene Aversion gegen Mathematik mitbringt, der kommt klar. Zumal es mit Vorkursen oder digital-begleitenden Kursen Unterstützung gibt. Trotzdem haben wir nach wie vor mit einer zu hohen Abbrecherquote in den ersten Semestern zu kämpfen. Das liegt jedoch oft in einer falschen Vorstellung vom Studium, weniger an dem zu hohen Matheniveau. Viele Studierende waren an ihren Schulen so gut, dass sie nicht viel lernen mussten; an der Hochschule sind sie plötzlich nun nur noch eine oder einer von vielen. Das bedeutet oft, sie müssen das Lernen quasi neu lernen und stellen dabei fest, dass das durchaus anstrengend sein kann, denn es hat sehr viel mit Selbstdisziplin und Eigenverantwortung zu tun.  

Lohnt sich die Anstrengung denn? Wie sehen die Berufschancen Ihrer Absolvent*innen aus?

Die sehen exzellent aus! Es gibt zahlreiche Zukunftsfelder, in denen unsere Absolvent*innen heiß begehrt sind, etwa die Bildverarbeitung auf Basis von Künstlicher Intelligenz, wie sie zum Beispiel in der Medizintechnik zum Einsatz kommt, oder der Bereich des automatisierten Fahrens und Fliegens und der Robotik. Aber wir beobachten generell einen sehr großen Fachkräftemangel, der dazu führt, dass sich unseren Absolvent*innen spannende und gut bezahlte Jobs bieten. Je nach Bundesland und Branche liegen die Einstiegsgehälter etwa zwischen 40 und 50.000 Euro im Jahr. 

Wie steht es mit einem Masterstudiengang? Ein Muss für eine erfolgreiche Karriere? 

Wer Lust am Studieren hat, dem eröffnet ein Masterstudiengang zusätzliche Möglichkeiten – sowohl was die Karriereleiter als auch was das Geld betrifft. Doch es ist sicher kein Muss für eine erfolgreiche Karriere. 
(Interview: Yvonne Scheller)

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