Empirische Studie zu den Auswirkungen der Pandemie

Offene Kinder- und Jugendarbeit als wichtiger Ort für junge Menschen in Corona-Zeiten

Welche Auswirkungen hat die Pandemie auf die Offene Kinder- und Jugendarbeit in Hamburg? Wie wirken sich die coronabedingt veränderten Rahmenbedingungen in der alltäglichen Praxis in den Einrichtungen für Fachkräfte und junge Menschen aus? Welche Herausforderungen stellen sich für die Zukunft? Wie blicken Jugendliche diese Entwicklungen und welche Bedeutung haben die Einrichtungen in ihrem Alltag? Diese Fragen will das Forschungstransferprojektes „Kinder- und Jugendarbeit in Corona-Zeiten“ beantworten.

Zwei Mädchen schaukeln auf einem Spielplatz und mehrere Kinder und Jugendliche sitzen in einem kleinen Spielplatz-Häuschen. Im Hintergrund sieht man das Gebäude einer Kinder- und Jugendeinrichtung.

Kinder- und Jugendarbeit in Corona-Zeiten

Man blickt in einen Raum, der für die Kinder- und Jugendarbeit genutzt wird. Zu sehen ist ein Billiard-Tisch und ein Kicker-Tisch. An der Tür hängen Hinweise, wie man sich zu verhalten hat. Zum Beispiel, dass maximal 3 Besucher*innen sich gleichzeitig in dem Raum aufhalten dürfen oder dass vor Betreten des Raumes die Hände gewaschen und desinfiziert werden müssen.

Kinder- und Jugendarbeit in Corona-Zeiten

Die Pandemie stellt Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (nicht nur) in Hamburg vor besondere Herausforderungen. Dazu gehören die eingeschränkte Offenheit, die notwendige Digitalisierung, der angestiegene Unterstützungsbedarf der jungen Menschen wie die unter Corona-Regelungen kaum mögliche Partizipation der Adressat*innen.

Von Mai 2020 bis März 2022 werden fünf Erhebungen durchgeführt. Fachkräfte, Expert*innen und die jungen Menschen selbst werden nach ihren Perspektiven gefragt. Die erste qualitative Befragung der Fachkräfte fand während des ersten Lockdowns statt. Es folgte eine quantitative Online-Erhebung in den Einrichtungen im Dezember 2020, sowie qualitative Fachkräfte- und Expert*innen-Interviews im Frühjahr 2021. Seit Anfang 2022 werden Gruppendiskussionen mit Jugendlichen geführt. Begleitend sind die coronabedingten Rahmungen in den Einrichtungen fotodokumentarisch festgehalten.

Die Ergebnisse der ersten Erhebung sind unter dem Titel „Gestalten in Krisenzeiten: Der Lockdown ist kein Knock down“ bereits veröffentlicht. Zu den nächsten drei Erhebungen liegen bereits Teilergebnisse als Aufsätze vor. Die Gesamtergebnisse aller Befragungen der Fachkräfte und Expert*innen erscheinen im Mai als open ressource im Barbara Budrich Verlag.

Insgesamt haben sich 97 Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Hamburg an einer oder mehreren Befragungen beteiligt, darunter Jugendzentren und Häuser der Jugend, Bauspielplätze, Spielmobile und Mädchentreffs. Als Forschungstransferprojekt angelegt, finden regelmäßigen Online-Fachdiskurse mit Fachkräften aus Praxis, Verbänden, Behörden und Politik statt. Bisher haben 264 Personen gemeinsam mit den Forscher*innen die Ergebnisse diskutiert und zur Entwicklung von Handlungsempfehlungen für die Zukunft Offener Kinder- und Jugendarbeit beigetragen. Die Ergebnisse wie Ausblicke der Forschung bis zu diesem Zeitpunkt werden im Mai 2022 in einer umfangreichen frei zugänglichen Online-Publikation veröffentlicht. Seit Januar 2022 werden insgesamt 28 Gruppendiskussionen mit jugendlichen Nutzer*innen der Einrichtungen in allen sieben Hamburger Bezirken geführt. Sie werden bis Juni 2022 ausgewertet und am 21.06.2022 auf einer Fachtagung im Schorsch vorgestellt und diskutiert.

Die ersten Ergebnisse zeigen: Offene Kinder- und Jugendarbeit ist weiter für junge Menschen da. Ihre Interessen und Bedarfe stehen bei den aktuellen Angeboten im Vordergrund. Die Einrichtungen sind verlässlicher Schutzraum, Ermöglichsort und Freiraum für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Hier finden sie ihnen zugewandete Fachkräfte und erleben sichere Beziehungen. Coronabedingt gibt es allerdings viele Herausforderungen. Die schlechte digitale wie personelle Ausstattung der Einrichtungen ist ein großes Problem. Der Gesundheitsschutz der Mitarbeitenden ist ausbaufähig. Partizipation junger Menschen ist unter den rigorosen Rahmungen nur schwer möglich. Junge Menschen mit Behinderungen werden noch schlechter erreicht als sonst. Die Fachkräfte sorgen sich um die finanzielle Zukunft der Einrichtungen. Schulische Unterstützungleistungen sind gefragt, Kinder- und Jugendarbeit dient hier als Lückenfüllerin für die Versäumnisse anderer Systeme.

„Offene Kinder- und Jugendarbeit ist gerade in der Pandemie ein wichtiger Ort für viele junge Menschen in Hamburg. Hier treffen sie auf Fachkräfte, die sie bei der Bewältigung vieler Herausforderungen unterstützen. Die Einrichtungen sind in Corona-Zeiten zugleich Schutz- und Freiraum, Ermöglichungs- und Bildungsort. Politisch Verantwortliche in Hamburg sollten deshalb für eine auskömmliche Finanzierung von Kinder- und Jugendarbeit sorgen.“

Prof. Dr. Gunda Voigts, Department Soziale Arbeit

Kontakt

Department Soziale Arbeit

Prof. Dr. Gunda Voigts
Professorin für Theorien Sozialer Arbeit und Theorie und Praxis der Kinder- und Jugendarbeit

Thurid Blohm
Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt “Kinder- und Jugendarbeit in Corona-Zeiten”

T +49 40 42875-7119

ForschungOKJA (@) haw-hamburg.de

 

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