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Neue Pflegestudie

Pflegekräfte am Limit

Durch die dauerhaft hohen Corona-Infektionszahlen werden Krankenhäuser und Intensivstationen immer voller. Viele Kliniken arbeiten an ihren Kapazitätsgrenzen. Und auch das Pflegepersonal ist an der Belastungsgrenze. In einer Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Uta Gaidys und Anke Begerow vom Department Pflege und Management wurden jetzt 1.000 Pflegende in Deutschland befragt, was sie in der aktuellen Phase der Pandemie besonders belastet. Zur Notwendigkeit der Studie sagt Uta Gaidys: „Pflege ist die größte Berufsgruppe im Gesundheitssystem. Die Pflegenden sind entscheidend in der Bekämpfung der Pandemiesituation. Demzufolge sind die persönlichen Aussagen der Pflegenden so immens wichtig.“

Intensivstation

Beatmung auf der Intensivstation. Pflegende arbeiten hier am Limit

Der aktuelle Befragungszeitraum war vom 31. Oktober 2020 bis zum 5. Januar 2021 mit 1092 Pflegenden, 350 davon sind auf Intensivstationen tätig. Insgesamt beteiligten sich 2300 Pflegende an der repräsentativen Umfrage.

In der zweiten Welle der Corona-Pandemie gaben 84 Prozent der Befragten eine höhere Arbeitsbelastung als normal üblich an. Daraus resultiere unter anderem eine nicht mehr adäquate Versorgung der Pflegebedürftigen. Dies war während der ersten Welle der Pandemie lediglich bei 26 Prozent der Pflegenden der Fall. Insgesamt geben 71 Prozent der Befragten an, dass sie die Versorgungsqualität der Pflegebedürftigen beeinträchtigt sehen. Bei den Intensivpflegenden sind es sogar 76 Prozent.

Auf die Frage, was die Pflegenden am meisten belaste, antworten viele Pflegende, dass sie „Angst vor Ansteckung“ haben. 70 Prozent der Befragten befinden sich laut Studie in einem emotionalen Dilemma zwischen ihrer beruflichen Aufgabe und der Angst, sich selbst zu infizieren. Bei den Intensivpflegenden sind es 66 Prozent. „Die Befürchtung, sich und damit auch die eigene Familie anzustecken, ist sehr groß“, erklärt Anke Begerow, Mitautorin der Studie.

„Unsere Analyse zeigt, dass Intensivpflegende grundlegende pflegerische Tätigkeiten nicht mehr durchführen können. Pflegende priorisieren diese Tätigkeiten also nicht mehr, sondern sie müssen sie rationieren, also wegfallen lassen. Vor diesem Hintergrund besteht momentanen in der COVID19-Situation wenig Motivation, den Pflegeberuf überhaupt noch auszuüben“, sagt Prof. Gaidys.

Viele Pflegende ärgert sehr, dass ihre Hilferufe „weder vor der Pandemie noch während oder zwischen den zwei Wellen gehört wurden“. Zudem, so sagen sie, hätten viele Kolleg*innen gekündigt, „weil sie die Situation nicht mehr ertragen“. Das spiegelt sich auch in den Zahlen wieder: 17 Prozent der Befragten haben keine Motivation mehr für ihren Job. Das ist jede sechste Pflegekraft. Diese 17 Prozent sind laut Studienleiterinnen stark gefährdet, komplett aus dem Beruf auszusteigen.

Gaidys und Begerow schlussfolgern in ihrer Studie: Aktuell wird zum einen eine einheitliche Teststrategie für Pflegende, Patient*innen und Besucher*innen benötigt. Außerdem muss ausreichend Schutzausrüstung vorhanden sein und Pflegende in die Entscheidungen zur Versorgung der Patient*innen einbezogen werden. Pflegende sollten gleichberechtigt in den Geschäftsführungen, Vorständen und Aufsichtsräten vertreten sein und dort die pflegerische Versorgung vertreten. Pflegende primär als Kosten- und nicht als Erlösfaktor anzusehen helfe nicht weiter und gefährde das Gesundheitsversorgungssystem.

(Text: Katharina Jeorgakopulos/ots)

WEITERE INFORMATION

Covid19-Pflegestudie 2. Welle:
https://www.surveymonkey.de/r/C2FNMWR

Kontakt

Fakultät Wirtschaft und Soziales
Department Pflege und Management
Prof. Dr. phil. Uta Gaidys
Departmentleitung/Studiengangsbeauftragte Master Pflege
Leiterin der Studie
T +49 40 428 75-7002
uta.gaidys (@) haw-hamburg.de

Anke Begerow
Mitautorin der Studie
anke.begerow (@) haw-hamburg.de

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