Abschied aus dem aktiven Hochschuldienst

„Wenn es gelingt, den Blick zu schärfen und den Horizont zu weiten“

Prof. Dr.-Ing. Hans Peter Kölzer über seine Arbeit an der HAW Hamburg und die Verbindung von Wissenschaft und Praxiserfahrung.

Prof. Dr.-Ing. Hans Peter Kölzer

Nach 27 Jahren verabschiedet sich Prof. Dr.-Ing. Hans Peter Kölzer aus dem aktiven Hochschuldienst am Department Informations- und Elektrotechnik.

Er war Prodekan im ehemaligen Fachbereich Elektrotechnik und Informatik, Vorsitzender des Studienreformausschusses, Mitglied der Vertrauenskommission, Studiengangsleiter Mikroelektronische Systeme M. Sc., Departmentleiter Informations- und Elektrotechnik, Fachgruppensprecher Signalverarbeitung, Mitglied im Hochschulsenat sowie Mitglied im Auswahlgremium des Hamburger VDI-Preises. Seine Schwerpunkte sind digitale Signalverarbeitung und Musterkennung mit neuronalen Netzen. Prof. Dr.-Ing. Hans Peter Kölzer verabschiedet sich zum Sommersemester 2021 aus dem aktiven Hochschuldienst. Wir haben mit ihm gesprochen.

Prof. Kölzer, seit wann genau sind Sie an der HAW Hamburg tätig und wie kam es dazu?
Seit Beginn des Sommersemesters 1994. Das Interesse an der Lehre und der wissenschaftlichen Arbeit hatte mich damals dazu bewogen, mich auf eine Professur zu bewerben.

Wie hat sich die Lehre in den letzten 27 Jahren entwickelt?
Seit dem Beginn des Bologna-Prozesses ist die Kompetenzorientierung zu einem zentralen Begriff geworden. Die Lehre ist heute weniger an der reinen Wissensvermittlung orientiert, sondern stellt die Lernergebnisse der Studierenden konsequent in den Vordergrund: Welches Wissen, welche Fähigkeiten und Kompetenzen sollen Studierende am Ende eines Moduls bzw. ihres Studiums erworben haben.

Was war Top und was Flop?
Highlights für mich waren sicherlich 1999 die Implementierung des ersten englischsprachigen Bachelor-Master-Programms Information Engineering an der HAW Hamburg, oder 2006 die Einrichtung des hochschul- und länderübergreifenden Masterstudiengangs Mikroelektronische Systeme in Kooperation mit der FH Westküste. Über Flops reden wir an dieser Stelle lieber nicht.

Wie viele Studierende haben Sie insgesamt unterrichtet?
Das lässt sich schwer sagen. Bei 54 Semestern kommen da aber schon ein paar tausend Studierende zusammen, vermute ich.

Was haben Sie über die Jahre von Ihren Studierenden gelernt?
Die Arbeit mit den Studierenden war für mich während der ganzen Jahre das belebende und inspirierende Element. Sie hat mich ein Stück vor dem Älterwerden im Geiste bewahrt. Das hoffe ich zumindest.

Welche Eigenschaften zeichnen eine*n gute*n Professor*in aus?
Ein weites Feld: Bezogen auf die Lehre Spaß an dieser, didaktische Fähigkeiten, aus Sicht der Studierenden sicherlich Empathie, Fairness, Verständnis für ihre Sorgen und Nöte. Wichtig war mir, auf der Grundlage einer guten Praxiserfahrung und bleibendem Wissensdurst den Studierenden eine anwendungsorientierte wissenschaftliche Ausbildung zu ermöglichen und sie für das Studienfach motivieren und begeistern zu können. Spannend war für mich die Arbeit mit engagierten Studierenden, wenn es gelang, ihren Blick zu schärfen und den Horizont zu weiten.

Was finden Sie gut an unserer Hochschule?
Mir gefällt die Idee einer angewandten Wissenschaft, also die Verbindung von Wissenschaft und Praxiserfahrung. Im Fokus stehen dabei in der Lehre stets die große Praxisnähe, der Anwendungsbezug und die Ausrichtung auf berufliche Anforderungen.

Sie haben viel Gremienarbeit und -tätigkeiten geleistet, aus welcher Motivation?
Ich denke, als Professorinnen und Professoren haben wir eine vergleichsweise privilegierte und freiheitlich ausgestattete Position inne, die selbstverständlich zu einer grundsätzlichen Bereitschaft führen sollte, Ämter in der Selbstverwaltung zu übernehmen. Denn eine selbstverwaltete Hochschule kann als Kollektiv nur dann gut funktionieren, wenn wir uns aktiv an der Gestaltung dieser Wissenschaftsorganisation beteiligen. Das große Potential an Gestaltungsmöglichkeiten ausschöpfen zu können, war dabei für mich stets Motivation genug.

Elektrotechnik stand früher für Kabel und Steckdose, wofür steht sie heute?
Kabel, Motoren und Transformatoren wird es weiterhin geben, aber die Elektrotechnik spielt nun im Rahmen der Digitalisierung eine immer wichtigere Rolle. Zum Beispiel in den Bereichen Industrie 4.0, erneuerbare Energien, E-Mobility, informationsintensive Systeme, Medizintechnik oder Smart Home. Wesentliche Schlüsseltechnologien in der Elektrotechnik werden zukünftig die Kommunikationsnetze, Mikroelektronik, Sensorik und Aktorik sein.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?
Kein Ruhestand, sondern soziales und politisches Engagement. Natürlich Hobbies: Literatur, Joggen, Reisen, Fotografie.

Prof. Kölzer, vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft!

(Interview: Aleksandra Doneva)

 

Kontakt

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Aleksandra Doneva
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Department Informations- und Elektrotechnik
T +49 40 428 75-8302
aleksandra.doneva (@) haw-hamburg.de

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