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Internationale Forschung

Wie arbeiten Forscher*innen im CARPE-Verbund?

Der CARPE-Verbund startete im Frühjahr 2021 eine neue Initiative: In so sogenannten „Special Interest Groups“, kurz SIGs, können Forscher*innen der europäischen Partnerhochschulen zu verschiedenen hochrelevanten Fragestellungen und Forschungsthemen gemeinsam – derzeit pandemiebedingt online – zusammenarbeiten. Dr. Susanne Draheim, Wissenschaftlerin am Creative Space for Technical Innovations, leitet mit Kolleg*innen aus Hamburg und Utrecht die SIG zu Data Science & Artificial Intelligence.

Frau mit VR-Brille und Handschuh vor einem Bildschirm

Erkundungen in einer virtuellen Welt

Einer der ersten SIGs, die an den Start gingen, war die Gruppe um Dr. Susanne Draheim und Prof. Dr. Kai von Luck zusammen mit. Dr. Huib Aldewereld, Prof. Dr. Johan Versendaal und Marije Braun aus Utrecht zu den Themen Data Science & Artificial Intelligence. In monatlich stattfindenden so genannten Lunch-Meetings stellen die Teilnehmenden sich und ausgewählte Projekte vor, auch um weitere Mitglieder für die offene Arbeitsgruppe zu gewinnen. Ziel ist, sich innerhalb der Gruppen wieder physisch zu treffen; eine erste Minikonferenz im Frühjahr in Utrecht ist bereits in Planung. Die SIGs sind dazu ein gutes Angebot besonders für Neuberufene, kurzfristig und niedrigschwellig in internationalen Teams gemeinsam zu forschen und EU-Anträge zu erarbeiten. Sie bieten sich ebenfalls an, hochschulübergreifend zu den Themen Studium und Lehre zusammenzuarbeiten. Wir haben mit einer der Leiterinnen, der Soziologin Dr. Susanne Draheim, über den aktuellen Arbeitsstand gesprochen.

Liebe Frau Dr. Draheim, was sind die Vorteile dieser neuen Arbeitsorganisation in so genannten Special Interest Groups?
Typischerweise läuft die wissenschaftliche Zusammenarbeit quer zu den Hochschulen, das heißt die Wissenschaftler*innen vernetzen sich national und international in ihren jeweiligen disziplinären Communities, auf Konferenzen und in Fachgesellschaften. Mit den SIGs ist ein Austauschformat initiiert worden, dass Aktivitäten wie Publikationen, Vorträge, Workshops, Projekte und Antragstellungen von Forscher*innen innerhalb des Forschungsverbundes sichtbar macht. Die SIGs sind offen für weitere Wissenschaftler*innen, was insbesondere für den wissenschaftlichen Nachwuchs und Neuberufene eine gute Gelegenheit für die internationale Vernetzung ist.

Welches Ziel verfolgt die Arbeitsgruppe „Data Science & Artificial Intelligence“, wer nimmt teil, mit welchem Interesse?
Unsere SIG richtet sich an Interessierte, die im Themenfeld Data Science und, allgemeiner, im interdisziplinären Feld der Künstlichen Intelligenz arbeiten. Angesprochen sind Hochschullehrende, wissenschaftliche Mitarbeitende, Doktorand*innen, aber auch interessierte Masterstudierende sind willkommen. Wir befinden uns noch in der Einstiegsphase, sichten gerade das Feld der Interessent*innen und erproben geeignete Formate für Austausch und Zusammenarbeit. Die Interessen der Beteiligten sind vielfältig; zumeist besteht der Wunsch nach inhaltlicher oder institutioneller Vernetzung, um die eigene Expertise zu erweitern und internationale Forschungspartner*innen zu finden. Auch möchten einige bei uns den Einstieg in ein neues Themenfeld oder in die kooperierende Forschung finden.

Sie leiten die Arbeitsgruppe gemeinsam mit Kolleg*innen aus Utrecht. Wie arbeiten Sie in Zeiten der Pandemie zusammen? Wie verläuft der Austausch?
Wir sind daran interessiert, uns persönlich kennen zu lernen und vor allem auch die beteiligten Städte und Hochschulen zu erkunden. Dies ist momentan ja nicht möglich, weshalb sich unsere Zusammenarbeit auf regelmäßigen Mailaustausch und ZOOM-Meetings beschränkt. Im Oktober 2021 hatten wir im Rahmen der CARPE-Konferenz ein gut besuchtes SIG-Auftakttreffen, auf dem sich rund zwanzig Kolleg*innen mit ihrer Arbeit vorgestellt haben. Seit Dezember 2021 bieten wir monatliche Online-Lunch Lectures zu unseren Themenfeldern an. Wir blicken daher hoffnungsvoll in den Frühling, wo ein erster Präsenz-Workshop in Utrecht stattfinden soll.

Können Sie uns kurz etwas zu der Bandbreite der Themen sagen? Es handelt sich ja um eine große Themenpalette von Machine-Learning über Data Mining bis zu Robotics. Wie lässt sich das thematisch verbinden?
Tatsächlich sind in unserer SIG eine große Bandbreite von Themen versammelt. Von technischen Fragestellungen im Bereich der Machine-Learing-Infrastrukturen und Ansätzen von Smart Maintenance über methodisch-statistische Zugänge wie Data Analytics oder Predictive Medical Systems bis hin zu interdisziplinär-reflexiven Perspektiven auf Künstliche Intelligenz wie `AI Ethics´ oder `Explainable AI´. Wir sortieren und bündeln die bisher vorgestellten Themen, um zukünftig fokussierte Arbeitsgruppen zu bilden, damit der Austausch für die Beteiligten thematisch möglich ist.

Was treibt Sie persönlich an, Ihre Arbeitszeit in die SIGs zu investieren? Wo liegen Ihre Motivation und Ziele?
Ich finde den internationalen Austausch mit den CARPE Hochschulen sehr fruchtbar, inklusive der Besuche vor Ort – sobald diese wieder möglich sind. Außerdem suchen wir vom Forschungs- und Transferzentrum `Smart Systems´ immer auch nach internationalen Kooperationspartner*innen für gemeinsame Forschungsprojekte. Thematisch begeistern mich als Sozialwissenschaftlerin besonders die methodisch-reflexiven Themen "Explainable AI" und "AI Ethics".

(Interview: Katharina Jeorgakopulos)

Weitere Information
https://creative-space.haw-hamburg.de/

https://smsy.haw-hamburg.de/

CARPE Website

Zu den Begriffen "Explainable AI" und "AI Ethics":

XAI soll nachvollziehbar machen, auf welche Weise dynamische und nicht linear programmierte Systeme wie zum Beispiel künstliche neuronale Netze, Deep-Learning-Systeme und genetische Algorithmen, zu Ergebnissen kommen.

Ethik in der Künstlichen Intelligenz ist ein Forschungsgebiet zur Entwicklung ethischer Maßstäbe bei der Forschung und dem Einsatz von Künstlicher Intelligenz. 

(Quelle: Wikipedia)

Kontakt

Fakultät Technik und Informatik
Forschungs- und TransferZentrum Smart Systems
Labor Creative Space for Technical Innovations (CSTI), 
Labor Livingplace Hamburg
Dr. Susanne Draheim
Wissenschaftliche Geschäftsführerin des FTZ Smart Systems
phone : +49 40 42875 8408/ -8482
susanne.draheim (@) haw-hamburg.de

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