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EXIST-Gründerstipendien

Gut gegründet

Zwei Teams der HAW Hamburg erhalten die begehrten EXIST-Gründerstipendien der Bundesregierung mit einer Förderung von jeweils 130.000 Euro. Das eine Gründerteam, Carbon Offsets, arbeitet an einer Blockchain-basierten Plattform für Kompensationszertifikate, die Gründer*innen von WeDart wollen das klassischen Steeldarts um digitale Möglichkeiten erweitern. Die Entwicklung eines marktreifen Produkts ist bei beiden das Ziel.

Unvermeidbare Emissionen kompensieren
Es ist wohl das Thema der Stunde, das die drei Gründer Julian Kakarott, Jesper Kolk und Noah Winneberger mit ihrem Startup angehen: eine CO2-neutrale Welt. Um dieser einen Schritt näher zu kommen, tüfteln die drei Wirtschaftsingenieure der HAW Hamburg an einer Plattform für CO2-Kompensationen. Auf dieser wollen sie Entwickler*innen von lokalen Aufforstungs- und Waldumbauprojekten und Emittent*innen, wie etwa Industriekonzerne zusammenbringen. Letztere sollen sich über die Plattform finanziell an den deutschen Waldprojekten beteiligen können. Dafür erhalten sie von Carbon Offsets ein digitales Zertifikat, das die CO2-Kompensation ausweist.
 

Satellitenbilder können uns Aufschluss darüber geben, wie viel CO2
von einem Waldprojekt kompensiert werden kann.

Julian Kakarott, Gründer bei Carbon Offsets

„Es gibt heute noch CO2-Emissionen, die sich schwer vermeiden lassen. Daher bieten die lokalen Waldprojekte eine Möglichkeit, diese zumindest zu kompensieren“, so Julian Kakarott. „Um zu bestimmen, wie viel CO2 ein bestimmtes Stück der entwickelten Wälder genau aufnehmen kann, werten wir Satellitenbilder mittels Machine Learning aus.“ 

Besonders wichtig ist den Gründern, die von Prof. Dr. Volker Skwarek, Leiter des FTZ Digitale Wirtschaftsprozesse, als Mentor unterstützt werden, dass die anschließende Zertifikatsvergabe transparent ist. Daher werden alle ausgestellten Zertifikate auf einer öffentlichen Blockchain dokumentiert – die Daten sind so jederzeit einsehbar.

Digitalisierungsschub für den Kneipensport
In einem ganz anderen Bereich möchte das zweite EXIST-geförderte Vorhaben, WeDart, Daten zur Verfügung stellen. Das Team um Alisa Möhrke, Florian Bautsch und Lennart Zorn hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Trendsport Steeldarts um ganz neue und vor allem digitale Möglichkeiten zu erweitern. 

Steeldarts ist die Dartvariante, bei der mit Metallpfeilen auf eine Scheibe aus Sisal, einer Naturfaser, geworfen wird. WeDart will diese sehr klassische, traditionelle Sportart digitalisieren und damit grundlegend erweitern. Dafür arbeiten sie an einem vernetzten Gerät, welches direkt an die Dartscheibe angebracht werden kann. Dieses ist mittels Computer Vision* und der eigens entwickelten Lokalisierungstechnologie in der Lage, die Position der Pfeile präzise zu bestimmen. Dadurch sollen mittelfristig nicht nur die Punktezählung, sondern auch detaillierte Statistiken, personalisierte Trainingsempfehlungen und Online-Spiele möglich werden.
 

Wir wollen Dart-Begeisterten nicht nur detaillierte Spielinformationen liefern, sondern sie vor allem weltweit vernetzen.

Florian Bautsch, Gründer WeDart

„Wir wollen das Spielerlebnis im Steeldarts erweitern, es aber möglichst wenig verändern – das ist uns ganz wichtig“, so Lennart Zorn. „Deshalb gestalten wir unser Produkt besonders unauffällig – denn es soll die Möglichkeiten für die Spieler*innen zwar immens erweitern, aber nicht im Weg sein“, ergänzt Alisa Möhrke.

Die Vision des Startups ist dabei im wahrsten Sinne global: „Unser Ziel ist es, Spieler*innen weltweit zu vernetzen und die Gemeinschaft, die unter Dart-Begeisterten besteht, auch digital abzubilden“, konstatiert Florian Bautsch. Großzügigen Support erhält das Team auf dem Weg zur Verwirklichung ihrer Vision von ihren beiden HAW-Mentoren Prof. Dr. Stelldinger und Prof. Dr. Meisel vom Department Informatik. 

Umfangreiche Gründungsunterstützung
Neben dem Support durch die Mentoren werden die Teams vom GründungsService der HAW Hamburg und dem hochschulübergreifenden Verbund beyourpilot unterstützt. „Wir freuen uns sehr, dass erneut zwei EXIST-geförderte Teams zu uns stoßen und hier an der HAW Hamburg ihre Geschäftsideen in die Praxis bringen“, sagt Angela Borchert, Leiterin des GründungsService. „Die einjährige Förderung ist zudem eine erste große Auszeichnung für die Teams – denn die Mittelgeber*innen schauen sehr genau auf die Zukunftsfähigkeit der eingereichten Vorhaben. Jetzt müssen die Teams zeigen, dass sie ihre teils jahrelange Vorarbeit in ein marktreifes Produkt überführen können“, ergänzt Lars Kalusky, der als beyourpilot-Gründungsberater die beiden Teams an der HAW Hamburg eng begleitet und unterstützt.

Wir entwickeln Lösungen und Anwendungen für die Gesellschaft –
was liegt da näher, als dies mit eigenen Gründungsvorhaben zu tun.

Prof. Dr.-Ing. Peter Wulf, Vizepräsident für Forschung, Transfer und Internationales

„Wir erleben seit einigen Jahren, wie zunehmend Start-ups aus der HAW Hamburg gefördert werden“, so Prof. Dr.-Ing. Peter Wulf, Vizepräsident für Forschung, Transfer und Internationales. „Das freut mich persönlich sehr und ist für uns als Hochschule Bestätigung und Motivation zugleich, unsere Studierenden und Promovierenden dazu zu ermuntern, weiterhin mutig zu sein und ihre Ideen ganz aktiv auch in eigene Unternehmen einzubringen. Als Hochschule für Angewandte Wissenschaften entwickeln wir Lösungen und Anwendungen für die Gesellschaft – was liegt da näher, als dies mit eigenen Gründungsvorhaben zu tun.“

Die Marktreife als Ziel
Die Teams haben dank der finanziellen Mittel vom Bund, die die Entwicklungskosten für das Produkt und die Lebenshaltungskosten der beteiligten Gründer*innen tragen, nun ein Jahr Zeit sich voll und ganz auf die Entwicklung eines marktreifen Produkts zu konzentrieren, mit dem sie dann potenzielle Investor*innen für sich überzeugen können.

*Computer Vision ist ein Teilgebiet der künstlichen Intelligenz, das sich damit beschäftigt, Informationen aus visuellen Daten zu extrahieren.

Text: Sebastian Bechstedt
 

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Jungestraße 10
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