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Ukraine und die HAW Hamburg

„Ich bin in einem Game, das nicht mehr aufhört“

Mykhailo Boiko aus der Ukraine ist seit März 2022 Gaststudent im internationalen Studiengang „Information Engineering“ an der Fakultät Technik und Informatik. Er floh kurz nach Kriegsbeginn nach Deutschland und bewarb sich für ein Studium an der HAW Hamburg. Da er erst 17 Jahre alt ist, durfte er das Land verlassen, sein Bruder und sein Vater mussten bleiben.

Mykhailo Boiko, 17 Jahre alt, ist seit dem Sommersemester Gaststudent im englischsprachigen Studiengang Information Engineering. Er hatte schon vorher an der renommierten Taras-Schewtschenko-Universität in Kiew Mathematik und Physik studiert.

Mykhailo Boiko, 17 Jahre alt, ist seit dem Sommersemester Gaststudent im englischsprachigen Studiengang Information Engineering. Er hatte schon vorher an der renommierten Taras-Schewtschenko-Universität in Kiew Mathematik und Physik studiert.

Im gut besuchten Hauptgebäude der HAW Hamburg am Berliner Tor wirkt Mykhailo Boiko etwas schüchtern. Mykhailo, der Myko genannt wird, ist erst 17 Jahre alt. „Mein Glück“, sagt er, „mit 18 Jahren hätte ich mein Land nicht verlassen dürfen. Mein Bruder ist 23, er musste bleiben, zusammen mit meinem Vater. Das macht mir große Sorgen.“ Morgens und abends verfolgt er die Nachrichten zur Situation in der Ukraine, tagsüber versucht er, es zu vermeiden: „Die Kämpfe, die Raketen und das Sterben. Ich mag gar nicht daran denken, was ihnen passieren kann,“ so Myko.

Kurz nach Kriegsbeginn konnte der junge Mann mit seiner Mutter, einer Psychologin, aus Kyiv (Kiew) fliehen. „Ich komme aus einem eher wohlhabenden Viertel. Wir saßen abends im Dunkeln zuhause da Ausgangssperre war und hörten Schüsse auf der Straße. Uns war klar, dass wir dort nicht bleiben konnten.“ Sie flohen zu ihrer Tante nach Bad Bramstedt. „Ich spiele gerne Videogames,“ sagt er. „Manchmal denke ich, ich bin in so einem Spiel, das nicht mehr aufhört.“

Die Tante suchte sofort für Myko eine Studienmöglichkeit. „Ich hatte ja schon an der Uni in Kiew Mathe und Physik studiert und war gerade im zweiten Semester. Die Taras-Schewtschenko-Universität, an der ich studierte, ist schon ziemlich renommiert, ich wollte daran anknüpfen.“ Auf der Website der HAW Hamburg haben sie dann das passende englischsprachige Studienangebot gefunden. „Ich mag nur Technik und Mathematik, etwas anderes kam für mich nicht in Frage. Dazu musste das Studium auf Englisch sein.“

Ich spiele gerne Videogames. Manchmal denke ich, ich bin in so einem Spiel, das nicht mehr aufhört.

Mykhailo Boiko ist erst 17 Jahre alt. Er studiert als Gaststudent seit März 2022 an der HAW Hamburg „Information Engineering“

Nach einem ersten Treffen mit der Leiterin des International Office, Martina Schulze, und dem Studiengangsleiter „Information Engineering“, Prof. Dr. Martin Lapke vom Department Informations- und Elektrotechnik, war für Myko klar, dass er an der Hochschule studieren wollte. Für die Einschreibung an der HAW Hamburg reichte es aus, dass er seine Zeugnisse als Foto auf dem Handy vorzeigen konnte. „Myko und ich entwickelten im Anschluss an unser Treffen einen Plan, wie er bei uns studieren kann. Er kann jetzt hier an der HAW Hamburg mehrere Kurse besuchen, um einen Einblick in das Studium zu erhalten, und gleichzeitig sein Studium in Kiew fortsetzen,“ sagt Prof. Martin Lapke.

„Im Sommer mache ich in Kiew meinen Abschluss. Die Doppelbelastung ist zwar gerade hoch und ich habe wenig Freizeit. Dazu lebe ich mit meiner Mutter auf 17 Quadratmetern. Das alles schon etwas herausfordernd“, sagt er und lächelt dabei. „In der Heimat hatte ich mein eigenes Zimmer und war ja auch nicht den ganzen Tag mit meinen Eltern zusammen.“ Freunde hat er noch keine an der HAW Hamburg gefunden. „Gerade komme ich aus dem Labor, dort habe ich mit einem Studierenden aus Nigeria zusammengearbeitet. Wo wir alle herkommen, ist mir egal, ich bin an der Sache interessiert.“

Seine Pläne: Myko will sich zum Wintersemester an der HAW Hamburg richtig einschreiben, um dann ordentlicher Studierender der Hochschule zu sein. „Ich möchte nicht als Geflüchteter wahrgenommen werden, das ist mir wichtig“, sagt er. „Im Falle einer erfolgreichen Bewerbung und Immatrikulation als regulärer Studierender kann sich Myko die bis dahin erfolgreich bestandenen Kurse anrechnen lassen“, ergänzt Prof. Lapke. „Das sollte er schaffen!“

Das Gespräch wurde von Katharina Jeorgakopulos auf Englisch geführt und aufgezeichnet.

Weitere Informationen

Auf der eingerichteten Serviceseite zur Ukraine finden Suchende weiterführenden Informationen, Kontakte und Hilfestellungen.

Information zum Studium Information Engineering (B.Sc.)

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