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IPCC-Report

Klimawandel als Querschnittsthema

Prof. Dr. Dr. Walter Leal ist einer von 200 Leitautoren des Weltklimaberichts, dessen erster Teil am 9. August veröffentlicht wurde. Im Januar 2022 erscheint der zweite Teil des „Intergovernmental Panel on Climate Change“, kurz IPCC, wie der Bericht auf Englisch heißt. Aufgrund seiner vielen Aktivitäten für den Klimaschutz und seiner zahlreichen Publikationen, wählte die Agentur Reuters Prof. Walter Leal in 2020 unter die 1.000 wichtigsten Klimaforscher*innen weltweit. Wir haben mit ihm über die jüngste Hochwasserkatastrophe in Deutschland gesprochen.

Hochwasser

Straßenschild im Hochwasser

Folgt man dem IPCC, welche Prognosen erwarten die Menschen – auch in Europa?
Prof. Dr. Dr. Walter Leal: Der erste Teil des jüngsten IPCC-Berichts, also der sechste Sachstandsbericht, befasst sich mit der Physik des Klimawandels. Er zeigt sehr deutlich, dass sich die globalen Wettermuster ändern.

Wir in Europa sind gegen den Klimawandel nicht immun und werden diese Veränderungen mit größerer Wahrscheinlichkeit zu spüren bekommen. Sei es in Bezug auf vermehrte und intensive Regenfälle in einigen Gebieten oder lange Dürreperioden anderswo, wie etwa im Mittelmeerraum.

Auch wir in Deutschland sind den Auswirkungen des Klimawandels ausgesetzt, einem Phänomen, das zwar global ist, dessen Auswirkungen aber vor allem auf lokaler Ebene zu spüren sind.

Wie hängen die Brände in Südeuropa und das Hochwasser in Mitteldeutschland miteinander zusammen?
Walter Leal: Dies sind einige Beispiele für die Veränderungen, die wir im globalen Wetter- und Wasserkreislauf erleben. Diese Systeme sind nicht mehr so stabil wie früher, so dass die Zahl und Häufigkeit von Extremereignissen – wie zum Beispiel das Hochwasser – nachweislich zunehmen. Während sie in der Vergangenheit eher seltener eintraten, kommen sie heute häufiger und teilweise intensiver vor.

Dies ist eine Folge der veränderten Klimabedingungen. Und diese Veränderungen sind gefährlich, weil niemand genau weiß, wo und wann die damit verbundenen Extremereignisse auftreten werden.

Können Sie uns Ihre Aufgaben für den Weltklimabericht beschreiben. Sie waren ja bereits zweimal dabei, in 2010 und in 2019. 
Walter Leal: Bei den vorangegangenen Berichten war ich als Redakteur tätig. Derzeit bin ich federführender Autor von Kapitel acht, das sich mit Armut, Existenzgrundlagen und nachhaltiger Entwicklung befasst.
 
Genauer gesagt, geht es in meinem Beitrag um Aspekte im Zusammenhang mit dem Einfluss des Klimawandels auf die Armut und das Streben nach einer nachhaltigen Entwicklung. Ich arbeite auch an den Kapiteln sieben und neun über Klimawandel, Gesundheit und Afrika mit.

Der IPCC ist kein politisches Programm, sondern eine Orientierung für politische Entscheidungen in Sachen Klimaschutz. Wie kann er mehr Gewicht erhalten?
Walter Leal: Der IPCC hat bereits das nötige Gewicht, da er ein unabhängiges Gremium ist, das frei von jeglichem Druck oder äußeren Einflüssen arbeitet. Dessen Hauptzweck besteht darin, die besten verfügbaren wissenschaftlichen Informationen über den Klimawandel zu liefern.

Es sind die Politiker*innen, die entscheiden müssen, ob diese Informationen ernst genommen und die notwendigen Maßnahmen ergriffen werden. Oder ob sie es vorziehen, diese zu ignorieren. In jedem Fall kennen die Politiker*innen die Risiken, die eine Untätigkeit mit sich bringt.

Was lernen Ihre Studierenden, welche Studieninhalte lehren Sie und wo finden diese später Anwendung?
Walter Leal: Wir versuchen, die Studierenden dafür zu sensibilisieren, dass der Klimawandel ein Querschnittsthema ist. Das heißt, dass man diesen nur verstehen kann, wenn man alle Fächer miteinander verbindet, von der Physik über die Chemie bis hin zu Wirtschaft und Politik. Da der Klimawandel auch erhebliche Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit hat, versuchen wir, unseren Studierenden diese Zusammenhänge aufzuzeigen. Auf diese Weise können sie den Klimawandel besser mit dem verknüpfen, was sie gerade lernen und die Zusammenhänge besser erkennen.

(Interview: Katharina Jeorgakopulos)

Kontakt

HAW Hamburg
Fakultät Life Sciences
Prof. Dr. (mult.) Dr. h.c. (mult.) Walter Leal
Leiter Forschungs- und Transferzentrum „Nachhaltigkeit und Klimafolgenmanagement"
Tel.: 040. 428 75-6313
walter.leal2 (@) haw-hamburg.de

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