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Weiterbildung für Hebammen

Praxisanleiter*innen für die Hebammenarbeit

Wer Hebamme werden möchte, muss dafür zukünftig ein duales Studium absolvieren. Im betrieblichen Teil des Studiums unterstützen dabei sogenannte Praxisanleiter*innen die Studierenden. Der Campus Weiterbildung an der HAW Hamburg leistet diesbezüglich Pionierarbeit und hat für ausgebildete Hebammen eine berufspädagogische Weiterbildung auf Hochschulniveau geschaffen – inklusive zehn Credit-Punkten, die sie bei Bedarf sogar auf ein zukünftiges Studium anrechnen lassen können. 

Eine Hebammen-Studierende wird angeleitet, den Symphysen-Fundus-Abstand bei einer schwangeren Frau zu messen.

Eine Hebammen-Studierende wird angeleitet, den Symphysen-Fundus-Abstand bei einer schwangeren Frau zu messen.

„Wer zukünftige Hebammen während ihres Studiums anleitet, der sollte besser selbst auch Stallgeruch mitkriegen“, meint Professorin Petra Weber und fügt hinzu: „Deshalb ist die Hochschule genau der richtige Ort für eine Weiterbildung zur Praxisanleiter*in in der Hebammenkunde.“ Petra Weber, Professorin für Pflegewissenschaft, ist wissenschaftliche Leiterin der Weiterbildung Praxisanleitung im Hebammenstudium am Campus Weiterbildung an der HAW Hamburg. Seit Anfang 2021 können sich ausgebildete Hebammen hier zur Praxisanleiter*in weiterbilden. 

Hintergrund für die neu geschaffene Weiterbildung ist die Reform der Hebammenausbildung. „Früher galt: Hebamme wird man am besten durch Zuschauen“, sagt Professorin Weber. 3000 Praxisstunden und damit mehr als in jeder anderen Ausbildung waren deshalb – neben dem Besuch der Hebammenschule für das theoretische Wissen – für die Auszubildenden obligatorisch. Eine fundierte praktische Ausbildungsanleitung gab es rechtlich gefordert hingegen nicht. Doch das ändert sich jetzt.

Unterstützung im Studium durch Praxisanleiter*innen
Als letztes Land innerhalb der EU folgt Deutschland seit dem 1.1.2020 einer Richtlinie aus Brüssel, die die Akademisierung der Hebammenausbildung und die damit einhergehende Anhebung der Mindeststandards für den Hebammenberuf vorsieht. Damit stellt das Hebammenstudium inzwischen die einzige Ausbildungsform dar, um die Berufszulassung zur Hebamme zu erlangen. Auf dem Lehrplan stehen wissenschaftliche Erkenntnisse und evidenzbasiertes Arbeiten im Mittelpunkt. Weil der Hebammenberuf aber weiterhin eine hohe praktische Kompetenz erfordert, wird auch der Praxisanteil laut dem Deutschen Hebammenverband DHV besser gestaltet, um eine höhere Qualität zu erreichen. „Dafür schreibt das neue Hebammengesetz erstmalig vor, dass diejenigen, die ein hebammenwissenschaftliches Studium absolvieren, in der Praxis von qualifizierten Praxisanleiter*innen begleitet und unterstützt werden“, erklärt Petra Weber.

Weil eine pädagogisch-didaktisch fundierte Ausbildungsanleitung bisher nicht Voraussetzung war, ist der weiterbildende Lehrgang an der HAW Hamburg echte Pionierarbeit. „Uns war wichtig, die Weiterbildung auf Hochschulniveau anzusiedeln, um sicherzustellen, dass die Teilnehmer*innen auch erleben, wer ihre zukünftigen Kolleg*innen sein werden“, sagt Professorin Weber. Die Herausforderung sieht sie darin, dass die Hebammen, die später Praxisanleiter*innen werden wollen, nicht nur das berufspädagogische Gerüst bekommen, sondern auch die Studierenden im Hinblick auf das veränderte Ausbildungsprofil besser verstehen lernen. „Je mehr Verständnis Praxisanleiter*innen und Studierende von- und füreinander haben, desto besser gelingt die Praxisanleitung.“

Hebammen werden bei dieser Weiterbildung nicht nur die Kursgebühr erstattet, sondern die Freiberufler*innen erhalten auch eine Aufwandsentschädigung für die Verdienstausfälle

Prof. Petra Weber, wissenschaftliche Leiterin der Weiterbildung Praxisanleitung im Hebammenstudium

Neue berufliche Perspektiven für Hebammen
Für ausgebildete Hebammen mit mindestens 18 Monaten Berufserfahrung gehen mit der Weiterbildung neue berufliche Perspektiven einher. Als Praxisanleiter*innen im Studiengang der Hebammenwissenschaft führen sie Studierende schrittweise an die einzelnen Tätigkeiten der hebammenkundlichen Versorgung von werdenden und jungen Müttern und ihren Familien heran. Außerdem unterstützen sie die Studierenden dabei, das theoretisch erworbene Fachwissen in der Praxis sorgfältig und professionell umzusetzen.

300 Stunden sind für die Weiterbildung gesetzlich vorgeschrieben, die sich in 100 Stunden Selbstlernzeit und 200 Stunden Präsenzlehre unterteilen. „Die Lehre findet wegen der Pandemie-Situation aktuell ausschließlich als Live-Online-Format über die Plattform Zoom statt. Das funktioniert sehr gut“, erklärt Mark Hübner-Weinhold, Leiter des Campus Weiterbildung. Nach sechs Monaten bekommen die Teilnehmenden ein Hochschul-Zertifikat als „Praxisanleiter*in für Hebammen“ und können ab dem zweiten Durchgang im August 2021 außerdem zehn Credit-Punkte erwerben, die sie sich auf ein künftiges Studium anrechnen lassen.

Die Kosten für die Weiterbildung in Höhe von 2450 Euro, die sämtliche Unterrichtsmaterialien und das Zertifikat der HAW Hamburg enthalten, können sich die Hebammen von den verantwortlichen Praxiseinrichtungen, bei denen sie für Praxisanleitungen zur Verfügung stehen, erstatten lassen. Eine freiberufliche Hebamme schließt dafür einen Anstellungsvertrag mit einer Klinik, die die Ausbildungskosten und die Vergütung über die Kassen refinanziert. „Der Charme dieser Weiterbildung auch im Vergleich zu anderen Weiterbildungen ist daher insbesondere, dass die Hebammen bei dieser Weiterbildung nicht nur die Kursgebühr erstattet bekommen, sondern die Freiberufler*innen auch eine Aufwandsentschädigung für die Verdienstausfälle erhalten, die sie durch die Teilnahme haben“, sagt Professorin Petra Weber. 

Text: Birte Schmidt

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