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Krieg in der Ukraine und die HAW Hamburg

„Wir stehen für eine demokratische Republik“

Zusätzliche Mittel im Projekt “Scholars at Risk, ein Aufruf an der Fakultät Life Sciences und die Einrichtung der "Hamburger Wissenschaftsbrücke" unterstützen ukrainische Wissenschaftler*innen in ihrer aktuellen Situation. Auf diesen Wegen kamen im März zwei Frauen an die HAW Hamburg. Dr. Maria Fedoruk kam bereits 2017 zum ersten Mal als Doktorandin an die HAW Hamburg. Nach ihrer Flucht forscht sie jetzt wieder am Life Sciences Campus.

: 2017 war die junge Wissenschaftlerin Dr. Maria Fedoruk zum ersten Mal als PhD Kandidatin an der HAW Hamburg

2017 war die junge Wissenschaftlerin Dr. Maria Fedoruk zum ersten Mal als PhD Kandidatin an der HAW Hamburg

Die junge Frau am Tisch in der Mensa könnte eine normale Studierende oder wissenschaftliche Mitarbeiterin am Campus Bergedorf sein. Sie sitzt sehr aufrecht und streicht sich ab und zu den Pony ihrer kurzen geschnittenen Haare aus der Stirn. Ihr Blick ist gerade auf ihr Gegenüber gerichtet. Ja, sie möchte die Geschichte ihrer Flucht aus der Ukraine erzählen, um auf die Situation der Menschen dort aufmerksam zu machen; das wäre sie ihrem Land schuldig und vor allem ihrem Mann, der als Freiwilliger und nicht als Soldat in den Krieg gezogen ist.

Die Idee kurzfristig nach Hamburg zu kommen, kam von Professor Dr. Walter Leal, Leiter des FTZ-NK an der Fakultät Life Sciences in Bergedorf. Beide kannten sich aus einem gemeinsamen Forschungsprojekt. Prof. Leal schrieb direkt nach dem Kriegsausbruch eine Mail an seine Kolleg*innen in der Ukraine und bot seine Unterstützung an.

Die junge Wissenschaftlerin kam schon einmal 2017 als PhD Studentin in „Ecological  economics Sciences“ an die HAW Hamburg. „Es ist schon sehr seltsam für mich heute in der gleichen Mensa als Flüchtling zu sitzen“, sagt sie. Damals arbeitete sie mit Professor Leal im Forschungsprojekt LARS zusammen. Danach kehrte sie in die Ukraine zurück und schloss ihren PhD an der Nationalen Universität für Forstwirtschaft  ab. 2019 kam ihr Sohn Luca zur Welt.

Wir ahnten, dass der Krieg auf uns zukommt und waren uns nur über den Zeitpunkt unschlüssig. Dieses Gefühl hat uns seit 2013 dauerhaft begleitet.

Dr. Maria Fedoruk, Wissenschaftlerin in „Ecological economics Sciences“

„Es war eine intensive Zeit“, erzählt sie, „wir planten unser Leben, wollten ein Haus kaufen“. Sie nahm eine Stelle in der lokalen NGO Teple misto an, die Investments im Umweltbereich aus Spendenmitteln realisiert und ein internationales Netzwerk an Förderern, Stiftern und Wissenschaftler*innen unterhält. Die Revolution 2013/14 veränderte das Leben ihrer Familie: „Es war der Beginn eines Krieges, eines echten Krieges im Osten der Ukraine mit Bomben und militärischem Sterben.“ In ihrem Kolleg*innenkreis sprachen sie über einen realen Krieg Russlands gegen die Ukraine. „Nachdem ich im Januar 2022 wegen einer längeren Krankheit meines Sohnes ausfiel und an meinen Arbeitsplatz zurückkehrte, war ich entsetzt, wie sich diese Stimmung verfestigt hatte. Wir ahnten, dass der Krieg auf uns zukommt und waren uns nur über den Zeitpunkt unschlüssig. Dieses Gefühl hat uns seit 2013 dauerhaft begleitet,“ sagt sie.

Quasi über Nacht und kurz nach dem Kriegsausbruch sei sie mit ihrem zweijährigen Sohn Luca und ihrer 75-jährigen Mutter aus ihrer Heimatstadt Iwano-Frankiwsk aus der Westukraine geflohen. „Mein Mann hat uns zuerst begleitet. Dann ist er zurückgefahren, um gegen die Russen zu kämpfen. Er ist Ingenieur und durch gesundheitliche Probleme eigentlich vom Militärdienst befreit, dennoch hat er sich freiwillig entschieden zu kämpfen.“ Es sei hart ihrem Sohn zu erklären, wo der Vater sei. „Er fragt ständig nach ihm. Gottseidank ist meine Mutter da. Sie tröstet uns, indem sie sich sehr um ihn kümmert. Auch deshalb kann ich heute hier sein“, sagt sie. Ihre Kolleg*innen in der NGO seien zum Teil noch vor Ort. „sie nutzen das Netzwerk jetzt für Flüchtende und versuchen Hilfstransporte und Unterkünfte zu organisieren“. „Auf Knopfdruck haben wir sozusagen umgeschwenkt.“

Ich bin eine moderne Frau mit europäischem Gedankengut, in einer Diktatur kann ich nicht leben. Wir Ukrainer*innen stehen für eine demokratische Republik, dafür kämpfen wir!

Dr. Maria Fedoruk arbeitet jetzt im FTZ-NK an dem Forschungsprojekt „Ecological impact of russian war in Ukraine“.

Vor Ort an der Fakultät Life Sciences in Bergedorf arbeitet sie inzwischen mit Professor Leal an einem weiteren Forschungsprojekt „Ecological impact of russian war in Ukraine“, welches sie am FTZ-NK durchführen. „Die Russen haben schon viele Naturschutzgebiete besetzt, mit Chemikalien verseucht, vermint und ihre Kriegsgeräte dort verstreut. Hier ist bereits viel kaputt gegangen. Das wollen wir dokumentieren und untersuchen“, sagt sie. Ein Leben in einer durch Russen besetzten Ukraine kann sie sich nicht vorstellen: „Ich bin eine moderne Frau mit europäischem Gedankengut, in einer Diktatur kann ich nicht leben. Wir Ukrainer*innen stehen für eine demokratische Republik, dafür kämpfen wir!“

Text: Katharina Jeorgakopulos

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Maria.Fedoruk (@) haw-hamburg.de

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