
US exchange students

2005 gründete die HAW Hamburg zusammen mit sechs anderen deutschen Fachhochschulen das UAS7-Konsortium mit dem Ziel, den akademischen Austausch mit den USA strategisch zu entwickeln. Damals waren die Fachhochschulen in den USA eher unbekannt bzw. wurden als „technical colleges“ eingeordnet und waren daher als Hochschulpartner oft uninteressant. Die US-Hochschulen arbeiteten lieber mit deutschen Universitäten zusammen.
Die HAW Hamburg hatte zu der Zeit nur zwei US-Partner – die California State University, Long Beach (CSULB) und Cooper Union. Mit der CSULB gab es einen langjährigen „International Business-Workshop“, aber mit beiden Hochschulen gab es keinen Studierendenaustausch. Das International Office erhielt vom Präsidium den Auftrag, die Leitung für das USA-Projekt zu übernehmen und so wurde „HAW goes USA“ ins Leben gerufen. Ich muss gestehen, ich war, wie einige andere auch, am Anfang ein wenig skeptisch über die Erfolgschancen, aber wir hatten mit unseren ersten (neuen) Partnern viel Glück. Sie wollten auch unbedingt internationale Beziehungen entwickeln. Wir waren zur rechten Zeit am rechten Ort.
Meine Aufgaben sind vielschichtig. Als Verantwortliche für die USA-Strategie kümmere ich mich um die Entwicklung von US-Kooperationen, den Abschluss von Verträgen und die Kalkulation der „balances“ beim Studierendenaustausch sowie die Vernetzung von Lehrenden. Seit 2016 liegt mein Fokus auf der Entwicklung von vier strategischen Partnerschaften. Zusammen mit unseren US-Partnern erarbeite ich neue Konzepte, um die Partnerschaften durch neue akademische Programme, Lehrendenaustausch und die Anerkennung von Kursen zu vielschichtigen Kooperationen zu entwickeln. Dafür beantrage und koordiniere ich DAAD-ISAP-Drittmittel für die Fakultäten.
2005 war das Hauptziel, Kooperationen mit US-Hochschulen zu entwickeln, um Studierendenaustausch zu ermöglichen und aufzubauen. Das haben wir auch schnell hinbekommen. Die ersten Verträge wurden schon 2006 und 2007 abgeschlossen. Inzwischen haben wir zwölf US-Partner und sind auch Mitglied im Global-E3-Netzwerk mit weiteren 28 US-Partnern.
Als die US-Kooperationen sich etabliert hatten, wurde 2015 mit der „HAW goes USA 2020“-Strategie ein neues Hauptziel gesteckt. Die Kooperationen sollten durch akademische Programme und Lehrendenaustausch vielschichtiger werden: Vier strategische Partnerschaften waren das Ziel. Zusammen mit der bereits genannten California State University, Long Beach (CSULB) wurden die University of Rhode Island (URI), die Virginia Tech und die Maryland Institute College of Art (MICA) als strategische Partner ausgewählt, weil es mit ihnen schon einen regen Studierendenaustausch gab.
Erfolg misst man am besten in Zahlen, daher nenne ich gern die wichtigsten Eckdaten: Inzwischen haben 447 US-Studierende ein Gastsemester an der HAW Hamburg absolviert. Im Sommersemester machen die US-Incomings 20-25% aller Gaststudierenden aus und sind somit die stärkste Nationalitätengruppe. Im Rahmen des reziproken Austausches haben 437 HAW Hamburg-Studierende ein studiengebührenfreies Auslandssemester in den USA absolviert – was einem Gegenwert von rund 4,3 Millionen US-Dollar entspricht.
Zur Förderung der vier strategischen Partnerschaften konnten insgesamt 855.00 Euro ISAP-Drittmittel beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) eingeworben werden (siehe Übersicht am Ende des Interviews). Die ISAP-Mittel ermöglichen Vollstipendien für den Studierendenaustausch sowie Zuschüsse für den Lehrendenaustausch. Letzteres wird durch das „HAW goes USA“-Budget und Fakultätsmittel co-finanziert. Inzwischen gibt es mit den strategischen Partnern regelmäßige Workshops, Summer Schools und Gastvorträge mit einem Netzwerk von 38 Lehrenden auf beiden Seiten des Atlantiks.
Ja, es gab viele Highlights in den letzten zwanzig Jahren. Vor allem sind es die Programme, die wir mit US-Partnern entwickelt haben, die in das Curriculum des Partners eingebettet sind. 2012 haben wir ein Doppelabschlussprogramm in International Business mit der University of Rhode Island eingeführt. Und seit mehreren Jahren gibt es „Junior Spring Semester Abroad“-Programme im Flugzeugbau (Virginia Tech) und in der Sozialen Arbeit (CSULB), bei denen ein Hamburg-Semester in den USA komplett angerechnet wird. Das war viel Arbeit, und diese Programme sind ein Zeichen der großen Wertschätzung und des Vertrauens gegenüber der HAW Hamburg.
Während der Corona-Pandemie waren es die Online-Filmworkshops mit der CSULB, die die Zusammenarbeit fortgeführt und für gute Stimmung gesorgt haben, in einer Zeit, als alles zum Stillstand kam. Und das Lehrformat, das daraus entstanden ist, war das Fundament für das neueste Highlight – ein achtwöchiges Online-Modul in „Astromechanics“ mit Virginia Tech, das die Raumfahrt in diesem Wintersemester an die Fakultät Luftfahrt und Fahrzeugsysteme gebracht hat.
Insgesamt ist es immer wieder schön zu erleben, wie Studierende von ihrem Aufenthalt in den USA oder in Hamburg schwärmen und erzählen, welchen Unterschied das Auslandssemester in ihrem Leben gemacht hat, und wie sie dadurch gewachsen sind. Auch für mich persönlich ist es spannend zu sehen, wie ich mit dem Projekt gewachsen bin, und ich schätze sehr die kollegialen Freundschaften, die sich über die Jahre entwickelt haben.
Der Anfang des USA-Projekts begann mit der Gründung des UAS7-Konsortiums und die Eröffnung eines Büros in New York. Mit der heutigen Geschäftsführerin, Patrizia Nobbe, gibt es einen engen Kontakt zum DAAD in New York und zu den Deutschen Wirtschaft- und Innovationshäusern in New York und San Francisco. Diese Kollaborationen sowie ihre Teilnahme an Messen und Events erhöhen die Sichtbarkeit der Fachhochschulen in den USA als kompetenter Partner in Lehre und angewandter Forschung und als Studienoption für US-High School und Bachelorabsolvent*innen. Neueste Zahlen vom IIE „Open Doors Report 2025“ zeigen, dass zwischen 2001 und 2023 die Zahl der „degree-seeking US students“ in Europa insgesamt um 113 Prozent auf rund 50.000 angestiegen ist. Über 8.000 davon streben ihren Abschluss an einer deutschen Hochschule an und machen damit zwei Prozent aller internationalen Studierenden in Deutschland aus.
Ja, das stimmt. Sie müssen hier unbedingt erwähnt werden. Zu Beginn waren und sind es die HAW Hamburg-Lehrenden, die Module in englischer Sprache für Gaststudierende anbieten. Ohne dieses Fundament gäbe es keinen Studierendenaustausch mit den USA. Dann gibt es die Professoren und Professorinnen auf beiden Seiten des Atlantiks, die den Lehrendenaustausch mit Leben füllen und mit zusätzlichen Workshops und Summer Schools für eine Erweiterung der internationalen Lehre sorgen. In der Hochschulverwaltung sind die Student Exchange Coordinators und die International-Office-Kolleg*innen an den Partnerhochschulen die tragende Säule bei der Betreuung von US-Gaststudierenden und HAW Hamburg-Outgoings. Und zu guter Letzt bin ich sehr dankbar für die Mitarbeiter*innen bei unserem Finanz- und Rechnungswesen, die die ISAP-Mittel verwalten. Ich möchte mich bei ihnen allen für die tolle Zusammenarbeit und das große Engagement über die letzten zwanzig Jahre bedanken. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Gemeinsam haben wir sehr viel erreicht.
Die Nachfrage für ein Austauschsemester mit den USA ist weiterhin da, auch wenn es wie bei der letzten Amtszeit von Donald Trump in manchen Studiengängen eine gewisse Zurückhaltung gibt. 2025 studierten 21 HAW Hamburg-Studierende in den USA. Sie haben sich trotz des kurzfristigen Einstellens von Visumsterminen durchgekämpft, weil sie diese Auslandserfahrung unbedingt machen wollten. Zum Sommersemester 2026 sind 29 US-Gaststudierende angemeldet. Eine Steigerung gegenüber dem Sommersemester 2025 von 52 Prozent .Sie werden 25 Prozent aller Gaststudierenden ausmachen. Und aktuell sind 33 USA-Plätze für das Wintersemester 2026/27 ausgeschrieben.
Regelmäßige Gespräche mit den US-Partnern bestätigen, dass es ihnen gerade jetzt sehr wichtig ist, dass wir weiterhin eng zusammenarbeiten. In diesem Jahr waren zwölf US-Lehrende von drei strategischen US-Partnern in Hamburg, um Workshops und Summer Schools durchzuführen. Der vierte strategische Partner hat im Wintersemester das acht-wöchige Onlinemodul in „Astromechanics“ angeboten. Das unterstreicht das Commitment der Partner und gibt ein gutes Gefühl, dass wir auf diesem Fundament weiter zusammenwachsen werden.
Interview: Maren Borgerding
12 US-Hochschulpartner
Mitglied im Global-E3-Netzwerk mit weiteren 28 US-Partnern
Studierendenaustausch seit 2006:
- 447 US-Austauschstudierende in Hamburg
- 437 HAW Hamburg-Studierende in den USA (Gesamtwert: 4,3 Mio USD)
- 406 HAW Hamburg-Studierende in Kurzprogrammen mit der CSULB
Lehrendenaustausch:
- Netzwerk von 38 Lehrenden in Hamburg und den USA
ISAP-Förderung vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD):
Gesamtwert 855.000 Euro
- URI-International Business (2012-2017) – Natalia Ribberink
- CSULB-Film (2017-2025) – Wolfgang Willaschek, Marco Grimm
- Virginia Tech-Flugzeugbau (2018-2026)* – Jutta Abulawi
- CSULB-Wirtschaft (2021-2023 & 2024-2026)* – Natalia Ribberink
- MICA-Design (2024-2026)* – Sven Vogel
* Verlängerungsanträge gestellt www.daad.de/isap
Maren Borgerding
Hochschulkommunikation
Ingrid Weatherall
"HAW goes USA"-Strategie
International Office